Läuft Rainbow bei Raiffeisen wirklich aus dem Plan?

Rolf Olmesdahl, Leiter Departement IT & Services (COO).
Raiffeisen-COO Rolf Olmesdahl nimmt Stellung zu den Berichten, bezüglich der Ablösung von Dialba durch Avaloq.
 
Verschiedene Medienberichte, unter anderem des 'Tagesanzeigers', legen nahe, dass Raiffeisen bei den Terminen und Funktionen gravierende Probleme in seinem 2015 gestarteten Megaprojekt Rainbow hat. inside-it.ch hat bei Raiffeisen-COO Rolf Olmesdahl nachgefragt.
 
Im Gespräch stellt er zunächst einmal klar, dass man durchaus im gesetzten Zeitrahmen sei: Es sei geplant gewesen, nach zweieinhalb Jahren Vorbereitungszeit die neue Software zum 1. Januar 2018 einzuführen, und das sei wie vorgesehen auch durch einen enormen Einsatz des gesamten Programmteams so umgesetzt worden.

Allerdings hatte Olmesdahl unter anderem im Interview mit inside-it.ch gesagt, es würden zu diesem Zeitpunkt 60 Banken migriert sein, was bekanntlich nicht klappte. Dass dann doch nur 22 Banken die ACS (Arizon Core System) genannte Kernbanken-Software eingeführt haben, erklärt er damit, dass bei der Ende 2017 erfolgten definitiven Auswahl der Migrations-Banken Abstriche gemacht werden mussten.

So hätten einerseits einzelne der vorgesehenen Genossenschaftsbanken entschieden, später zu migrieren. Andererseits habe die Rainbow-Projektleitung einzelne zur Ablösung von Dialba anvisierte Genossenschaftsbanken abgelehnt. Grund dafür sei unter anderem gewesen, dass deren Datenbestände etc. noch nicht soweit bereinigt gewesen seien, dass sie ins ACS hätten übernommen werden können.
 
Was somit nicht eingehalten werden konnte, ist die angestrebte Anzahl Banken am ersten Migrationstermin und statt der Migrationsfenster Ostern und Pfingsten ist nun Auffahrt und Pfingsten für die weiteren Migrationen vorgesehen.
 
"Unser Fokus liegt darauf, Erkenntnisse aus der Piloteinführung umzusetzen bevor weitere Banken migriert werden".
 
Drei Themenfelder
Nach Einführung der Pilot-Banken habe sich an drei Punkten Nachholbedarf gezeigt.
 
Am wichtigsten sind Verbesserungen und Ergänzungen funktionaler Natur im Kernbereiche, nämlich der Hypothekar-Verarbeitung. Dabei handelt es sich um ein Modul, das zusammen mit Avaloq / Arizon von Grund auf neu entwickelt worden ist. Es habe bei "wenigen Kunden" bei den 22 Pilot-Banken zu Berechnungsproblemen geführt.
 
Weiter hat sich Verbesserungsbedarf im Schulungsumfeld gezeigt, sagt Olmesdahl. Ausserdem sei eine Verstärkung des Supports notwendig, um alle Landessprachen ausreichend abzudecken. Die entsprechenden Aktivitäten seien bereits aufgegleist, fügt der COO an.
 
Zusätzlich hätten die zunächst freigeschalteten 64 Cores der AIX-Rechner nicht die notwendige Performance gebracht und seien inzwischen auf 128 Kerne verdoppelt worden. Insgesamt stünden für das Projekt bis 192 Cores der AIX-Systeme zur Verfügung, die bei zusätzlichem Bedarf freigeschaltet werden können, ergänzt er.
 
Es gehört zum Wesen eines derart komplexen Projekts, dass mit Herausforderungen umgegangen werden muss. Diese sind erstens nicht ungewöhnlich bei einem solchen Grossprojekt und zweitens lösbar.
 
Schliesslich kommt Olmesdahl noch einmal auf den zeitlichen Fahrplan zu sprechen. Er hält fest, dass man noch immer anstrebe, die Banken-Migrationen bis Mitte des Jahres abzuschliessen. Man lerne derzeit aus den im Bankenalltag gemachten Erfahrungen und behalte sich vor, den Migrationsplan bei neuen Erkenntnissen anzupassen. Zur Zeit ist vorgesehen, bis Ende April eine zweite Welle mit einer kleinen Anzahl von Banken einzuführen. Dann sollen an Auffahrt und Pfingsten noch einmal je etwa 100 Genossenschaftsbanken folgen. (Volker Richert)