Was bedeutet der tödliche Uber-Unfall für die Auto-Tech-Branche?

Zum ersten Mal war ein selbstfahrendes Uber-Auto in einen Unfall mit tödlichem Ausgang für einen Passanten verwickelt. In Tempe, Arizona, hat das autonom fahrende Uber-Auto eine Fussgängerin erfasst. Der Uber-Mitarbeiter, der im Auto sass, konnte den Unfall nicht verhindern. Die Polizei untersuche den Vorfall. Auch zwei regulatorische Behörden der USA kündigten an, Untersuchungen einzuleiten. Uber selbst teilte mit, man "vermute", keine Schuld am Unfall gehabt zu haben. Dennoch werden die Tests mit den autonomen Autos in Nordamerika vorerst ausgesetzt. Allein in Arizona seien 600 autonome Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern auf den Strassen unterwegs, schreibt die 'Süddeutsche Zeitung' ('SZ'). In Arizona sind die Regeln vergleichsweise locker.
 
Es ist das erste Mal, dass ein autonomes Auto einen Fussgänger getötet hat und damit werden Stimmen laut, es sei Zeit, die Technologie in Frage zu stellen. Selbstfahrende Autos hätten zwar das Potenzial unzählige Leben im Strassenverkehr zu retten, die Technologie würde aber viel zu schnell eingeführt, wird ein Forscher auf dem Gebiet von 'MIT Technology Review' zitiert. "Dies ist nicht wie ein Softwarefehler auf ihrem Telefon. Menschen können getötet werden. Die Technologie ist noch nicht da, wo wir sie brauchen", sagt laut dem Newsportal 'axios.com' Raj Rajkumar, Leiter einer Forschungsstelle für autonomes Fahren an der Carnegie Mellon University. Sowohl die Tech-Unternehmen als auch die Fahrzeughersteller hätten der Technologie zu viel Vertrauen geschenkt, glaubt Rajkumar.
 
Der Vorfall gebe weiteres Futter für den "Techlash", schreibt die 'SZ' weiter, ein Vertrauensverlust in die Technologiefirmen und entsprechende Gegenreaktionen. "In den vergangenen Monaten sind Technologiefirmen dabei derart häufig negativ aufgefallen, dass längst der Gesamteindruck die Details der einzelnen Fälle überschattet", so das Fazit des 'SZ'-Autors.
 
Das Vertrauen der Konsumenten in die Technologie werde um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zurück versetzt, glaubt auch 'Bloomberg'. Ein von 'MIT' zitierter AI-Experte stimmt dem aber nicht zu. Es habe bereits mehrere Unfälle mit autonomen Autos gegeben. Im Mai 2016 wurde ein Tesla-Fahrer nach einem Unfall getötet, als das Fahrzeug mit Autopilot unterwegs war. "Ich bin nicht sicher, ob es nun zu einer Gegenreaktion kommt. Ehrlich gesagt, dachte ich, dass es nach dem Tesla-Unfall mehr Reaktionen geben würde", so ein auf AI spezialisierter Forscher der Arizona State University.
 
Vor wenigen Tagen hätten Waymo, Uber und andere Konzerne, die in diesem Bereich aktiv sind, die amerikanischen Gesetzesgeber aufgefordert, den rechtlichen Weg für selbstfahrende Autos so rasch wie möglich zu ebnen. Die Verabschiedung dieser Gesetze wird sich nun wohl verzögern, wie 'Bloomberg' schliesst. Nach früheren Unfällen habe es immer wieder Untersuchungen gegeben und die Software sei entsprechend angepasst worden. Bundesbehörden hätten nach Untersuchungen schon mehrfach festgestellt, dass die Technologie Schuld an Unfällen gehabt habe, so 'MIT'. Aber sie haben bisher dem Drang widerstanden, strengere Regeln zu implementieren oder Tests ganz einzustellen. (Katharina Jochum)