Das VBS lobt sich selbst

Von Fitania über das ERP bis GEVER, bei uns läuft alles wie geschmiert, sagt das VBS. Und die Risiken und Nebenwirkungen?
 
In einem schlicht mit "Projektbericht" übertitelten Dokument zieht das VBS Zwischenbilanz über aktuelle Armee-Projekte per Ende 2017. Darunter sind einige grössere IT-Projekte und ganze Programme.
 
In der Beurteilung, so viel sei im Voraus verraten, sieht man alle Projekte durchwegs im grünen Bereich. Grundsätzlich.
 
Einer der grössten IT-Brocken ist das Programm Fitania, welches aus den Projekten Telekommunikation der Armee, Rechenzentrum VBS/Bund 2020 und Führungsnetz Schweiz besteht, die jeweils stark voneinander abhängen.
 
Im ersten, Telekommunikation der Armee (TK A), sollen schrittweise diverse Systeme ersetzt werden und es soll eine einheitliche Telekommunikationsplattform gebaut werden. In der ersten Phase von TK A, dem Kauf von 320 Richtstrahlgeräten beim Hersteller Thales sind laut VBS "heute sehr wenige Risiken erkennbar". Das Fazit des VBS lautet, die Kosten, Abwicklung, Qualität und der Zeitplan seien im grünen Bereich. Inwiefern damit die deutliche Ermahnung der Finanzkontrolleure der EFK berücksichtigt ist, kann man aus dem Bericht nicht konkret ersehen. Die EFK hatte letzten Dezember angemahnt, beim iterativen Vorgehen die Gesamtarchitektur von Hard- und Software ins Zentrum zu stellen, sie sei erfolgsentscheidend.
 
Auch das zweite Projekt namens "Rechenzentrum VBS/Bund 2020", der Konsolidierung von RZs des Bundes in drei Immobilien, sei voll unter Kontrolle. Dies gelte sowohl für die rein militärischen RZs namens Fundament und Kastro II, als für das militärisch-zivile Campus. Letzteres hat die EFK soeben unabhängig geprüft. "Bedingt durch eine Bedarfsüberprüfung zeichnet sich im Projekt "Campus" eine zeitliche Verzögerung ab, prognostiziert das VBS. Dasselbe liess auch der EFK-Bericht vermuten.
 
19 Jahre Projektdauer und nun droht Zeitnot
Das dritte Grossprojekt dauert von 2005 bis 2024, ist eines der längsten VBS-Projekte und heisst "Führungsnetz Schweiz" (vormals "Einsatznetz Verteidigung"). Dieses ersetzt für 939 Millionen Franken auf knapp 3000 Kilometern die alten Glasfaser- und Richtfunknetze durch ein einheitliches, breitbandiges Übertragungsnetz "auf dem aktuellen Stand der Technologie". Das Netz soll funktionieren, wenn alles andere ausfällt.

19 Jahre Projektdauer ist an sich schon lang und jetzt dies: Das VBS prognostiziert, zeitliche Verzögerungen seien ein nennenswertes Risiko. Es werde "knapp. Es sind sehr viele Vorhaben parallel umzusetzen, die personellen Ressourcen reichen jedoch nicht aus, um alle Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten."
 
Ausserdem muss man im Prinzip permanent mindestens Teile der beschafften Technologie regelmässig wieder ersetzen, hat sich doch, das sieht auch das VBS, "einen relativ kurzen Lebenszyklus". Man müsse den "laufenden Werterhalt des Systems durchführen". Das Projekt ist also endlos.
 
Personalressourcen des Lieferanten als Hauptrisiko
Nicht zuletzt ist auch das GEVER-Programm des Bundes namens GENOVA ein VBS-Thema. Zwar steckt es noch in den Anfängen und die Armee ist auch nicht im Lead, aber die Verantwortlichen listen die Personalressourcen "namentlich beim neuen Lieferanten und Leistungserbringer" als ein Hauptrisiko auf. Atos als Lieferant der Lösung Acta Nova, ist also speziell gefordert. Dasselbe fiel auch der EFK auf, die die siegreiche Offerte "sehr kompetitiv" nannte.
 
Bei SAP knallen die Korken schier endlos
Ziemlich komplex und umfangreich ist auch das ERP-Programm der Armee. Zwischen 2017 und 2025 will das VBS nach aktueller Grobplanung 342 Millionen Franken für die Migration von SAP R/3 auf SAP S/4HANA ausgeben. Bis dahin muss der Wechsel auch geklappt haben, denn dann läuft der SAP-Support für R/3 aus.
 
Die Armee ist hierbei nicht allein, das militärische ERP gehört zu einem Bundesprogramm, das unter dem herausragend kreativen Namen "SUPERB23" die SAP-Strategie des Bundes definiert.
 
SAP darf sich auch über das Jahr 2025 hinaus auf erkleckliche Überweisungen des VBS und aller anderen Departemente freuen, denn so will es ein Bundesratsbeschluss. Damit ist das VBS glücklich: "Ein Systemwechsel weg von der Software SAP würde für unbestimmte Zeit die Bereitschaft der Armee gefährden und wäre mit einem grossen finanziellen Aufwand verbunden. Der von SAP eingeleitete Technologiewechsel mit SAP S/4HANA ist planbar und kann auch in Zusammenarbeit mit anderen Armeen realisiert werden". Um Abhängigkeiten und Kosten in erträglichem Mass zu halten, will man unter anderem "Einfluss in den entsprechenden Gremien" nehmen.
 
Der Projektbericht ist verfügbar als PDF. (Marcel Gamma)