Valiant schmeisst Online-KMU-Lösung BusinessNet raus

Swisscom und Run my Accounts haben sich im Sommer 2015 zusammengetan, um das Online-Buchhaltungs-Angebot BusinessNet der Bank Valiant zu entwickeln. Der Service ging Mitte Mai 2016 online. Auf Ende Monat ist nun Schluss mit BusinessNet, wie Valiant auf Anfrage bestätigt.
 
Die Bank schreibt in einer Mitteilung, "die mit Swisscom entwickelte Eigenlösung wird eingestellt, da sie die Kundenbedürfnisse nicht vollständig erfüllte". Auf Anfrage teilt Swisscom dazu mit, "in den ersten 18 Monaten blieb der Erfolg unter den Erwartungen". Gemeinsam mit Valiant haben man deshalb im Herbst 2017 entschieden den Service per Ende April 2018 einzustellen.
 
Swisscom-Sprecher Sepp Huber: "Das System hatte zu wenig Akzeptanz im KMU-Umfeld". Weiter schreibt er, für BusinessNet "werden keine neuen Kunden gesucht" und "die Entwicklung von Swisscom und Run my Accounts ist eingestellt". Zur Frage, was das nun abgebrochene Projekt gekostet hat, schreibt Huber nur knapp "keine Angabe".
 
Valiant wird hingegen an einem digitalen Finanzportals für KMU festhalten, zumal man kein "allzu hohes Lehrgeld bezahlt" habe, wie Valiant-Pressesprecher Marc Andrey sagt.
 
So steht seit wenigen Tagen neu als Ersatz von BusinessNet bereits Klara von der zur Axon Firmengruppe in Luzern gehörenden Klara Business zur Verfügung. Valiant werde laut Andrey künftig aber eine Mehrpartner-Strategie fahren und voraussichtlich im Herbst auch die Online-Buchhaltungs-Software Bexio eingebunden haben. (vri)

Unser Kommentar:

Man darf angesichts dieses Flops schon ein wenig staunen, mit wie wenigen Worten Swisscom seine Versuche, in neue Märkte und Branchen vorzudringen, abbricht. Was soll man davon halten, wenn zu den damit verbunden Kosten nichts gesagt wird?
 
Zumal doch jedem klar ist, dass der Stopp von BusinessNet kein Einzelfall ist im KMU-Umfeld. Man denke etwa an den 2016 noch von Swisscom selbst gerühmten Einstieg bei Siroop, der jetzt schon wieder Geschichte ist. Auch das Angebot der einst mit viel Trara angekündigten "KMU Business World" kommt nicht vom Fleck. Hier angebotene Applikationen für KMU wie beispielsweise die Online-Software "Amanda" wurden sang- und klanglos eingestellt. Abgebrochen hat man genauso die von der SRG mit Swisscom geplante "Enterprise Cloud". Nicht anders erging es dem Projekt "Admino", das zusammen mit Axon Active initiiert wurde. Swisscom stieg aus, noch bevor das Produkt fertig war.
 
Wenn alles nicht nur Politik war, passt wohl auch ins Bild, dass Swisscom im Februar die 5G-Einführung noch auf Ende Jahr vorziehen wollte und medienwirksam Pilotprojekte aufgleiste, um den Zeitplan dann wenige Wochen später notabene wegen absehbarem politischen Gegenwind wieder über den Haufen zu schmeissen.
 
Der 'Handelszeitung' hat Swisscom-Lenker Urs Schaeppi soeben auf die Frage, ob er viel anreisse, am Schluss aber nicht den Willen zum Durchziehen habe, geantwortet: "Wir bleiben vielenorts dran. Schauen Sie sich unsere Marktposition im ICT-Geschäft im Geschäftskundenmarkt an. Da haben wir uns eine starke ­Position erarbeitet". Analysten und Investoren würden Swisscom als eine der besten Telcos weltweit sehen.
 
Wie gut. Wenn es den anderen nicht so gut geht wie einem selbst, erübrigen sich Anstrengungen, noch besser werden zu wollen. (Volker Richert)