Sollen Roboter in der EU "elektronische Personen" werden?

Rund 160 KI- und Robotics-Kenner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben kürzlich einen offenen Brief an die Europäische Kommission geschrieben. Auslöser des Briefes ist eine Resolution vom Februar letzten Jahres, die die EU-Parlamentarier an die Europäische Kommission gerichtet haben. Der Inhalt: Roboter sollen einen rechtlichen Status als "elektronische Person" erhalten. Dieser könne helfen im Schadensfall zu bestimmen, wer haftet, so die Ratsmitglieder.
 
Die Unterzeichnenden des offenen Briefes sind nicht dieser Meinung. Man brauche EU-weite Regeln für KI und Robotics, aber die Schaffung einer "elektronischen Person" sei die Folge einer "Überschätzung der Fähigkeiten selbst der am weitesten entwickelten Roboter". Der Vorstoss sei inspiriert von einer durch Science-Fiction verzerrten Wahrnehmung. Und er beruhe auf der Fehlannahme, dass eine Schadenshaftung für "autonome" und "selbstlernende" Maschinen unmöglich zu beweisen sei.
 
Auch aus ethischer und rechtlicher Sicht sei der Vorstoss verfehlt: Denn würde das Modell für den Roboter von der natürlichen Person abgeleitet, so würden diese Menschen- und Bürgerrechte bekommen. Dies kollidiere unter anderem mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, argumentieren die Gegner des parlamentarischen Vorstosses.
 
Stattdessen fordern sie, dass die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ethischen Auswirkungen von KI und Robotik ohne Hast und Vorurteile berücksichtigt werden müsse. "Der Nutzen für die gesamte Menschheit sollte den Rahmen für die zivilrechtlichen Vorschriften der EU in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz bilden", so die Unterzeichnenden. (ts)