Raiffeisen-Avaloq-Migration definitiv nicht an Pfingsten

Jetzt ist auch die kürzlich noch auf Pfingsten terminierte Einführung von Avaloq als Kernbankensystem für alle 255 Raiffeisen Genossenschaften sistiert worden.
 
Der zumindest vorsichtige Optimismus, den Raiffeisen-COO Rolf Olmesdahl noch Mitte März im Gespräch mit inside-it.ch verströmte, ist dahin. Der damals genannte Migrationsplan ist nicht zu halten. Wie 'Inside Paradeplatz' in Sachen Raiffeisen gewohnt scharf und auf den Mann zielend berichtet, ist die Migration weiterer Genossenschaftsbanken gestoppt.

Damals hatte Olmesdahl noch gesagt, das 2015 gestarteten Megaprojekt Rainbow zur Einführung der ACS (Arizon Core System) genannten Kernbanken-Software werde neu zwischen Auffahrt und Pfingsten einen grossen Migrationsschub erleben. Nun heisst es hingegen: "Die geplanten Migrationsfenster an Auffahrt und Pfingsten werden sistiert".

Auf Anfrage lässt uns Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi die auch 'Inside Paradeplatz' vorliegenden Statements zur Terminverschiebung zukommen. Darin findet sich nun kein konkretes Datum mehr. Vielmehr heisst es, man wolle "zuerst die Erkenntnisse der ersten Tranche umsetzen, um dann ein System auszurollen, das noch besser auf unsere Raiffeisenbanken abgestimmt ist".

Das 500 Millionen Franken teuere Projekt bereitet offensichtlich ernsthafte Probleme. Denn schon die ursprünglich für Ende 2017 geplante Migration von 60 Banken ging schliesslich mit nur 22 über die Bühne. Zudem gab es dabei auch noch Probleme bei einigen Kunden der migrierten Banken mit dem Modul zur Hypothekar-Verarbeitung.
 
Jedenfalls schreibt Chiavi jetzt, "die weiteren Migrationsfenster werden geplant, wenn das System einen nachweislich befriedigenden Status für die Banken hat und eine zweite Pilot-Tranche erfolgreich mit einer kleinen Anzahl Banken durchgeführt werden konnte". Er kann sich damit duchaus auf die Aussage von Olmesdahl berufen, der vor vier Wochen ebenfalls schon gesagt hatte, "unser Fokus liegt darauf, Erkenntnisse aus der Piloteinführung umzusetzen bevor weitere Banken migriert werden".
 
Als Grund der Sistierung des Migrationsfensters wird jetzt festgehalten, "dass die definierten Bedingungen der Systembereitschaft noch nicht erfüllt sind". Was das genau heisst ist unklar, zumal Olmesdahl bereits Verbesserungen und Ergänzungen funktionaler Natur im Kernbereiche genauso angekündigt hatte, wie er den Verbesserungsbedarf im Schulungsumfeld nannte. Auch die Verdoppelung der Performance, die Kerne der AIX-Rechner sollten auf 128 erhöht werden, war von ihm schon Mitte März erklärt worden.
 
Abgewiegelt wird bei Raiffeisen übrigens in Sachen Kostenüberschreitung. Laut Chiavi führt "die Neugestaltung des Migrationsablaufs je nach Dauer des Migrationsfensters zu zusätzlichen Kosten, wobei das bisherige Projekt-Budget noch Reserven aufweist". Und Raiffeisen wird auch nicht müde, einmal mehr zu wiederholen, dass "die Einführung eines Bankensystems grundsätzlich eine sehr komplexe Angelegenheit" ist. Das gelte insbesondere bei der Raiffeisen Gruppe mit ihren 255 Raiffeisenbanken und der vielschichtigen Organisationsstruktur, so Chiavi. Man werde "die Migration aller 255 Raiffeisenbanken schrittweise angehen, um mögliche Risiken zu minimieren". (vri)