Agile verliert an Glanz

Viele sind unzufrieden mit agilen Entwicklungsmethoden, dem Testing und dem Requirements Engineering.

 
Nachdem die Verbreitung von agilen Methoden in der Softwareentwicklung in den letzten Jahren konstant zugenommen hat, scheint laut der neusten SwissQ-Trendstudie der Höhepunkt erreicht. 2017 haben agile Methoden den Wasserfall erstmals überholt, nun gab es im Jahr 2018 keinen nennenswerten Anstieg von Agile mehr.
 
Dafür steigt der Anteil jener, denen die Einordnung ihrer Entwicklungsmethoden unklar ist, stetig an. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass häufig hybrid vorgegangen wird.
 
Die Studie von SwissQ ist nicht repräsentativ, aber es nahmen rund 400 Personen aus verschiedenen Firmen, Branchen und Regionen der Schweiz an der Online-Umfrage teil. Dabei überwiegen die Branchen Banken, IT-Unternehmen und Versicherungen. Die Umfrage bildet vor allem grössere Projekte ab: Über die Hälfte haben ein Volumen von über einer Million Franken. Über 40 Prozent der Befragten kommen aus Firmen mit über 2000 IT-Mitarbeitenden. (ts)
 
Alle Grafiken stammen aus der Studie von SwissQ. Diese kann auf der Website der Beratungsfirma bestellt werden.

Die am weitesten verbreiteten agilen Vorgehen bleiben Scrum und Kanban. Sie scheinen sich auf Team-Ebene etabliert zu haben und werden manchmal im sogenannten Scrumban kombiniert. Der Einsatz von SAFe nimmt derweil beständig zu. 2018 sind es bereits drei Mal so viele wie vor drei Jahren, als SAFe erst von sechs Prozent der Befragten eingesetzt wurde.

Ebenfalls im Trend liegt hybrides Vorgehen. Über 40 Prozent der Projekte wurden in dieser Kombination durchgeführt.

 
Auch in Unternehmen, die weiterhin auf Wasserfall setzen, habe sich agiles Vorgehen, insbesondere Scrum, im Alltag etabliert, schreibt SwissQ-CTO Silvio Moser. Das Nebeneinander führe aber aufgrund des teilweise stark abweichenden Taktes oftmals zu Integrationsschwierigkeiten und ungewollten Wartezeiten. Die Kunst bestehe vor allem darin, die Vorteile der beiden Vorgehen geschickt zu kombinieren und zum Beispiel agile Projekte in ein Phasenmodell einzubetten.

Die Zufriedenheit mit Agile hat allerdings merklich abgenommen: Nur gerade etwas über 22 Prozent der Befragten sagten, dass die Methode den erwarteten Nutzen erfüllt habe, während verschwindende zwei Prozent fanden, dass alles super laufe. Ein Drittel beschwerte sich über die längere Dauer und fast ein Drittel fand das Vorgehen zu kompliziert. In der letzten Umfrage hatten sich noch 42 Prozent zufrieden gezeigt und angegeben der Nutzen werde erfüllt oder es laufe sogar super.

 
In der Grafik sieht man die grössten Hindernisse für agiles Vorgehen: Zuvorderst rangieren die Unternehmenskultur und Hierarchien, gefolgt von nicht angepassten übergreifenden Prozessen.

Die Zufriedenheit mit der Anforderungstechnik ist sehr tief: Mehr als 60 Prozent der Befragten sind mit dem Requirements Engineering nur mittelmässig zufrieden oder gar unzufrieden. Dies schlug sich auch darin nieder, dass die Anwendung von Techniken zum Management und zur Priorisierung von Anforderungen häufig als nicht erfolgreich beurteilt wurden.

 
Gerade ein Drittel gab an, dass sich die Rolle der Business Analysten und Requirements Engineers in letzter Zeit verändert habe: Hier wurden unter anderem die Einbettung in agile Teams, Anwendung entsprechender Methoden und Tools sowie Professionalisierung genannt. Allerdings sagte fast die Hälfte, dass sich die Rolle der BA/RE nicht verändert habe und fast 20 Prozent wussten es schlicht nicht. Dies deutet darauf hin, dass die vor allem durch agile Methoden veränderten Erwartungen an die Rollen und die Bereitschaft etwas zu ändern, grossteils nicht im Einklang stehen.

User Stories bleiben die Technik der Wahl, wenn es um die Spezifikation und Dokumentation von Anforderungen geht.

 
Laut Silvio Moser reift derzeit aber die Erkenntnis, dass Product Owner für das Schreiben guter User Stories inklusive Abnahmekriterien, nebst Stakeholder, Backlog und sonstigem Management, zu wenig Zeit hätten – und ihnen oft auch das methodische Wissen fehle.

Nur die Hälfte der Befragten zeigten sich mit den Testaktivitäten zufrieden.

Automatisierung wird in Zeiten zunehmender iterativer und inkrementeller Entwicklung immer wichtiger: 64 Prozent setzen etwa auf automatisierte Regressionstests. Doch fast so viele wenden noch manuelle explorative Tests an.

 
SwissQ prognostiziert dennoch, dass es die Rolle des manuellen Testers in Zukunft so wie heute nicht mehr geben werde.

Der Blick auf die Anzahl der automatisierten Tests ist aber weiterhin ernüchternd. Gut die Hälfte der Studien-Teilnehmer haben weniger als 20 Prozent der funktionalen Tests automatisiert.

DevOps ist für viele Unternehmen noch sehr neu. Rund 40 Prozent gaben an, dass die Einführung von DevOps länger dauert als erwartet und rund ein Viertel findet den Ansatz zu kompliziert. Einer der Erfolgsfaktoren für die Einführung dürfte die Testautomatisierung sein, bei der es noch etwas happert, wie SwissQ feststellt.