Grosses Gezerre um Riesen-Cloud-Projekt des Pentagon

Wie 'Bloomberg' berichtet, ist in Washington ein Gerangel um ein riesiges Cloud-Projekt des US-Verteidigungsministeriums in Gang. Dieses plant, einen grossen Teil seiner IT auf eine Private Cloud-Infrastruktur zu migrieren. Betroffen wären rund 3,4 Millionen User beziehungsweise rund vier Millionen Geräte. Das Volumen des Auftrags wird auf etwa eine Milliarde Dollar geschätzt.
 
Kein Wunder, dass bei den grossen Cloud-Anbietern Google, Microsoft, IBM und Oracle ob diesem potentiellen Auftrag das Wasser im Mund zusammenläuft. Allerdings glauben laut der US-Presse viele Beobachter, dass letztendlich Amazon Web Services den Auftrag ergattern wird. Unter anderem weil bisher nur AWS von den US-Behörden die höchste Security-Clearance erhalten hat, die es für Cloud-Provider gibt.
 
Nun führt Oracle laut 'Bloomberg' eine Koalition der AWS-Konkurrenten an, die dies durch intensive Lobbyarbeit in Washington verhindern will. Auch HPE und Dell hätten sich dieser Koalition angeschlossen, die erreichen wolle, dass der Auftrag unter mehreren Providern aufgeteilt wird. Eines ihrer Argumente ist, dass dies sicherer sei, als wenn nur ein Provider die komplette Pentagon-IT betreut. Die AWS-Gegner könnten dabei hoffen, dass Präsident Trumps bekannte Antipathie gegen Amazon und den Amazon-Chef Jeff Bezos ihn dazu verleitet, höchstpersönlich in die Vergabe einzugreifen.
 
Für AWS als Auftragsgewinner sprach bisher auch, dass das Pentagon vor rund einem Monat einen AWS-Partner namens REAN damit beauftragte, das Ministerium bei der Cloud-Migration zu beraten und eine spezielle Migrationssoftware dafür zu entwickeln. Allein dieser Auftrag hätte einen Wert von fast einer Milliarde Dollar gehabt.
 
Allerdings konnte Oracle in dieser Sache bereits einen Etappensieg verbuchen. Oracle legte einen Widerspruch gegen die Vergabe ein mit dem Argument, dass man keinen Implementationspartner bestimmen könne, bevor der Cloud-Provider bekannt sei. Das Pentagon gab daraufhin bekannt, dass man den ursprünglichen Auftrag an REAN zurücknehme. Der AWS-Partner darf nun nur noch ein kleineres Pilotprojekt durchführen, das maximal 65 Millionen Dollar kosten darf. (hjm)