Warum ein zentrales RZ ausfiel, mit Folgen für ganz Deutschland

Die Notstromversorgung ist eine Schwachstelle bei Rechenzentren (RZ). Diese Erfahrung musste kürzlich RZ-Betreiber Interxion in Deutschland machen. "In der Nacht des 9. April hat es eine Serviceunterbrechung in unserem FRA5 Rechenzentrum gegeben, welche unsere Kunden in diesem Rechenzentrum betraf. Wir haben sofortige Massnahmen zur Problemlösung eingeleitet und konnten den Service ab 05.37 Uhr wieder zur Verfügung stellen."
 
Mit diesen Worten beginnt die Stellungnahme von Interxion via Blog-Eintrag zu einer Störung, die die Datenübertragung in ganz Deutschland betraf. Gelitten hatte das Übertragungstempo und Webseiten waren nicht erreichbar.
 
Das Problem trat letzte Woche Montag in einem Teilbereich am weltweit grössten Internetknoten in Frankfurt auf, beim Deutschen Commercial Internet Exchange (DE-CIX) am späteren Abend, da der Strom ausgefallen war, wie es in einem DE-CIX-Tweet heisst. Der Ausfall traf unter anderem Rechner von Telekom-Konzernen.
 
Die Begründung von Interxion: "Die Probleme wurden zunächst ausgelöst durch einen überhitzenden Transformator. Im Anschluss an den Transformatorausfall kam es zu einem Fehler am Dieselversorgungssystem der Generatoren, der zu einem Totalausfall der Stromversorgung führte." Der Betreiber spricht von einer "sehr aussergewöhnlichen Verkettung von zwei voneinander unabhängig auftretenden Störungen", zumal "zunächst die redundante Bauweise der Anlage nach Plan funktioniert hatte".
 
Laut dem Fehlerbericht von Interxion, welcher der deutschen Tageszeitung 'FAZ' vorliegt, ist tatsächlich eine Überhitzung am Anfang der Fehlerkette. In der Folge seien, wie für solche Fälle vorgesehen, die Dieselgeneratoren auch angesprungen. Zu dem Ausfall sei es dann am Abend gekommen, nachdem alle drei Generatoren nacheinander aufgehört hatten zu laufen und bald auch die Batterien nicht mehr ausreichten. Der Grund: Es sei zu diesem Zeitpunkt zwar genug Treibstoff vorhanden gewesen, doch sei der Dieselzufluss zu den Generatoren aufgrund eines weiteren technischen Fehlers versiegt. Laut Interxion hat irrtümlich das System Leck-Alarm gegeben. Das habe an einer leeren Stickstoff-Flasche gelegen.
 
Interxion hat inzwischen einen Transformator ausgetauscht und lässt vom Hersteller die Fehlerquelle suchen. Ein weiterer Transformator soll noch ausgewechselt werden. Zudem prüfe Interxion den Wartungsplan für Transformatoren und Stickstoff-Flaschen und will durch den Einbau einer zweiten Flasche das System zur Erkennung von Diesellecks verbessern. (vri)