Renommierte Forscher wollen Europa zu KI-Hub machen

In einem offenen Brief warnen Wissenschaftler, dass Europa in Sachen KI den Anschluss verliert. Zu den Mitunterzeichnern gehören auch ETH-Professoren.
 
China investiert bekanntlich massiv in künstliche Intelligenz (KI) und amerikanische Konzerne wie Google oder Amazon haben sich schon lange in diesem Bereich breit gemacht. Damit Europa nicht den Anschluss verliert, soll ein KI-Hub entstehen, wie mehrere Forscher vorschlagen. In einem offenen Brief denken sie ein Forschungs-Zentrum an, das den Arbeitstitel "European Lab for Learning & Intelligent Systems" (ELLIS) trägt.
 
Zu den Mitunterzeichnern gehören neben Vertretern des Max Planck Instituts und der Cambridge University auch zwei Spezialisten der ETH Zürich. Thomas Hofmann, Professor für Datenanalytik im Departement Informatik, und Andreas Krause, Leiter der Gruppe Learning & Adaptive Systems der Hochschule. Daneben werden ETH-Präsident Lino Guzzella und Olivier Bousquet, Head of Machine Learning Reasearch bei Google in Zürich, auf dem Brief gelistet.
 
Den Fokus legen die Forscher auf Machine Learning, den Bereich der KI-Forschung, der "im Kern der technologischen und gesellschaftlichen AI-Revolution" liege, wie es im Schreiben heisst. Man wolle, dass die Grundlagenforschung in Europa getätigt werde und damit auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
 
Mittlerweile würde viel Grundlagenforschung nicht mehr nur an den Hochschulen sondern auch von der Wirtschaft betrieben. Dies führe zu einer rascheren Kommerzialisierung, bedeute aber auch, dass es den Hochschulen immer schwerer falle, Spitzenforscher an sich zu binden. Dies schwäche die Forschung in Europa, denn die Top-Unternehmen in diesem Bereich seien in den USA oder in China. Oder es handelt sich um von US-Unternehmen in Europa etablierte Labs, wie Google in Zürich oder Facebook in Paris. Europäische Unternehmen würden nicht als wettbewerbsfähig wahrgenommen.
 
Die Initianten schlagen konkret vor, jeweils in den eigenen Ländern Labore zu etablieren. Diese sollen über zwischenstaatliche Verträge verbunden werden. Einzelne Hochschulen hätten bereits solche länderübergreifenden Partnerschaften. ELLIS-Forscher könnten ihre Zeit zwischen dem Forschungslabor und lokalen Universitäten oder auch in einem Labor eines Unternehmens teilen. Und auch die Gründung eigener Startups sei denkbar.
 
Es soll auch möglich sein, das die Forschenden über ELLIS PhD- oder Master-Abschlüsse erlangen. Für die Budgetierung denken die Forscher pro Standort für den Start 100 Millionen Euro an, um die Infrastruktur aufzubauen, und ein jährliches Budget von 30 Millionen Euro. (kjo)