Leisten Departemente Widerstand gegen "Superb23"?

Die SAP-Migration beim Bund wird Hunderte Millionen Franken kosten. Und die geplante Zentralisierung stösst auf Kritik.
 
Das vor einem Jahr erstmals angekündigte SAP-Migrationsprojekt mit dem zu Witzen geradezu einladenden Namen "Superb23" des Bundes stosse in den Departementen auf viel Kritik, berichten die 'Aargauer Zeitung' und andere Zeitungen der AZ Medien. Kritik gebe es einerseits an der geplanten Zentralisierung des SAP-Systems beim Finanzdepartement, andererseits an den wahrscheinlichen Kosten.
 
Einige Departemente haben heute noch ihre eigenen, dezentralen SAP-Lösungen. Durch die Zentralisierung würden sie "an Spielraum und Eigenständigkeit" verlieren, schreibt die 'Aargauer Zeitung'. In der Ämterkonsultation sei Superb23 daher auf viel Widerstand gestossen. Die Mehrheit der Departemente widersetze sich den Plänen.
 
Auch der Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle Michel Huissoud erklärte in einem Gespräch mit inside-it.ch Anfang Jahr, dass es in den Departementen manchmal Befürchtungen gegen Zentralisierungsprojekte gibt. Es gebe Ängste, dass "durch die Zentralisierung alles träge und bürokratisch würde, dass ein Bürokratiemonster entstehen könnte." Huissoud selbst ist aber ein starker Befürworter der Zentralisierung.
 
A propos Finanzkontrolle: Die wird auch dafür zuständig sein, die riesigen Kosten des Projekts Superb23 im Auge zu behalten.
 
SAP der Armee verursacht zwei Drittel der Kosten
Noch ist allerdings gar nicht genau bekannt, was Superb23 alles beinhalten wird und damit eben auch nicht, wieviel es genau kosten wird. Die Finanzdelegation der eidgenössischen Räte (FinDel) nannte Ende März, wie wir berichtet haben, eine Zahl von 800 Millionen Franken.
 
Eine aktuelle Schätzung aus dem Finanzdepartement liegt laut dem Bericht der 'Aargauer Zeitung' bei 655 Millionen Franken über die kommenden sieben Jahre. Gisela Kipfer vom ISB relativierte gegenüber der Zeitung allerdings diese Zahl: Noch habe man nicht alle notwendigen Studien und Abklärungen durchführen können, um "belastbare" Aufwandschätzungen zu machen. Bei der Zahl von über 600 Millionen Franken handle es sich um eine "Grobschätzung". Ungefähr ein Drittel davon entfalle auf den zivilen Teil, zwei Drittel auf den "einsatzrelevanten Teil der Armee." (Auch die Schweizer Armee benutzt SAP und muss deshalb migrieren.)
 
Um eine Ablösung der bisherigen SAP-Systeme kommt der Bund, wie alle anderen SAP-Kunden, auf jeden Fall nicht herum. SAP hat seine Kunden schon 2015 darüber informiert, dass die Weiterentwicklung und der Support der bisherigen ERP-Lösungen des deutschen Softwareriesen Ende 2025 beendet wird. Beim Bund ist gegenwärtig die ERP Suite ECC6 von SAP im Einsatz. Spätestens Ende 2025 muss er also auf die Nachfolgelösung SAP S/4HANA umgestiegen sein. Oder sich einen neuen Softwareanbieter suchen – was allerdings bei einem grossen, komplexen Anwender wie dem Bund fast undenkbar ist.
 
Beim Bund ist allerdings nicht nur ein "einfache" Migration auf die neue SAP-Software geplant. Gleichzeitig soll auch eine neue ERP-Strategie ("Strategie ERP-IKT 2023") erarbeitet werden. Laut dem vor wenigen Tagen erschienenen neuen Masterplan des Informatiksteuerungsorgans des Bundes (ISB) soll die Strategie bis Mitte des laufenden Jahres stehen. Bis im ersten Quartal 2019 sollen dann ein genehmigter Programmauftrag für "Superb23", etablierte und operative Programmorganisationen sowie Steuerungs- und Sourcing-Modelle für "gemeinsam genutzte ERP-Dienste" vorliegen. (Hans Jörg Maron)