GitHub: "Viel grösserer Zensurdruck als früher"

GitHub hat den "Transparency Report 2017" publiziert. In diesem legt der Filehosting- und Kollaborationsservice offen, wie oft Gesetzeshüter Informationen über User haben wollen und wie oft verlangt wird, dass Content gelöscht oder blockiert werde.
 
Die Bilanz 2017: Der US-Service erhielt 51 Anfragen zur Offenlegung von Benutzerinformationen, darunter 42 Vorladungen. Darunter stammten zwei Anfragen aus dem Ausland. Woher genau, wird nicht offengelegt.
 
Oft wird GitHub gerichtlich verboten, die User über das Gesuch zu informieren. Diese Anzahl stieg merklich auf 35 von 51 Anfragen. GitHub legt nicht immer Nutzerinformationen offen, aber in 43 Fällen war dies letztes Jahr der Fall.
 
Hinzu kommen Anfragen und Befehle von Geheimdienst- und Spionageabwehrorganisationen. Hierzu darf GitHub nach Eigenangaben keine genauen Zahlen nennen, sondern nur in 250er Tranchen. Der Report besagt in Konsequenz, GitHub hat 2017 zwischen Null und 249 Auskunftsbegehren erhalten.
 
Die zweite Kategorie des Transparency-Reports umfasst Lösch- und Blockierungsgesuche. Solche können auch Regierungen stellen. Aber nur Russland tat dies, wenn auch acht Mal. Allen acht Gesuchen wurde stattgegeben.
 
Im letzten Jahr erhielt GitHub zudem die Rekordzahl von 1'435 Gesuchen um Löschung von Content wegen Urheberrechtsverletzungen. Den allermeisten wurde stattgegeben. Das bedeutet, die Urheberrechtsverletzungen nehmen auf GitHub ebenso stark zu wie die Anzahl User der Plattform. Die Entwicklung ist parallel, hat GitHub ausgerechnet.
 
Weil aber von solchen Gesuchen in einer Open-Source-Community jeweils mehrere Projekte und Repositories betroffen sein können, weist GitHub auch diese aus.
 
Monatlich wurden zwischen 209 und 1144 Projekte von der Plattform entfernt, so die Analyse. Und was mal weg war, blieb mehrheitlich auch weg, weil die Urheberrechtsverletzung offenbar berechtigt schienen.
 
GitHub publiziert den Transparency Report seit 2015 und sieht diesen auch als Chance, das Ausmass an "Zensur" und "Überwachung" aufzuzeigen. Die Bilanz der GitHub-Betreiber: "Im Jahr 2018 stehen die Plattformen unter einem viel grösseren Zensurdruck" als früher.
 
GitHub ist bekanntermassen auch bei Schweizer Firmen und Organisationen populär, man findet Repositories und Projekte von Axa, SBB, ETH, Swisscom oder auch von Bundesbehörden. (mag)