Das BBL muss eine Ausschreibung mangels Offerten abbrechen

Niemand wollte eine Weblösung für HERMES-Projekte bauen. Lief etwas schief? Das BBL erklärt die Hintergründe.
 
Das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL muss eine Ausschreibung abbrechen. Es handelt sich um ein Projekt für das umfassende Redesign, den Betrieb und die Weiterentwicklung der "HERMES"-Weblösung.
 
Von aussen betrachtet klingt die Ausschreibung von BBL, ISB und dem Finanzdepartement EFD nicht nach "Rocket Science". Es steht ein EPF-Composer im Einsatz für die Datenmodellierung, ein Open-Source-Tool. Dieses muss laut Ausschreibung abgelöst werden, weil es die "zwingend nötige Mehrsprachigkeit" nicht unterstützt und nur sehr bedingt weiterentwicklungsfähig ist.
 
Der Plan: Die Lösung "mit einem offenen, mehrsprachigen und standardisierten Produkt" ersetzen.
 
Das müsste die Schweizer Tech-Branche eigentlich können. Aber nein, so leicht geht das offenbar nicht. Es ging nämlich kein einziges Angebot ein.
 
Dabei wären Subunternehmer zugelassen, der Preis ist mit 30 Prozent gewichtet und es wird "nur" Erfahrung verlangt, "die mit dem vorliegenden Auftrag inhaltlich sowie hinsichtlich Umfang und Komplexität vergleichbar ist".
 
Klingt immer noch realistisch und es ist nicht anzunehmen, dass die internen Offertkosten hierfür 50'000 Franken betragen wie bei anderen Ausschreibungen.
 
Inside-it.ch hat beim BBL nachgefragt, wie man sich dieses Null-Interesse erklärt. Nach Ablauf der Rekursfrist beantwortete BBL-Sprecher Jonas Spirig Fragen. Auch das BBL wundert sich: Es hat nämlich schriftlich jene Firmen kontaktiert, welche sich via Simap für die Ausschreibung anmeldeten. "Zusammengefasst wurden uns insbesondere folgende Gründe für die Nichtteilnahme mitgeteilt: Aufgrund der guten Auftragslage konzentriere man sich lieber auf direkte Offertanfragen mit deutlich grösseren Chancen auf den Zuschlag; die aktuelle Ressourcensituation und Auslastung liess die Ausarbeitung einer Offerte nicht zu."
 
War die geforderte Mehrsprachigkeit ein Hinderungsgrund? "Nein, diesbezüglich wurde kein Feedback eingereicht."
 
War die Forderung eines Standardprodukts ein Hinderungsgrund? "Nein, diesbezüglich wurde kein Feedback eingereicht".
 
Oder welche anderen Requirements sind in der Ausschreibung sonst ungewöhnlich? "Gemäss Rückmeldung der Anbieter wurden die Ausschreibungsunterlagen als verständlich und umfassend eingestuft. Kein Anbieter hat unerfüllbare Anforderungen bemängelt."
 
Das heisst, an der Ausschreibung an sich liegt es nicht. Schreibt das BBL die Lösung nun neu aus? "Aufgrund der Feedbacks bezüglich Verständlichkeit und Umsetzbarkeit der Anforderungen wissen wir, dass die gesuchte Lösung gemäss Pflichtenheft und Leistungsbeschrieb realisierbar ist. Das Beschaffungsgesetz BöB legitimiert den Auftraggeber nach Art. 13 Abs. 2, Bst a die Leistung im freihändigen Verfahren zu vergeben, sollte kein Angebot eingereicht werden. Dies wird nun umgesetzt", antwortet BBL-Sprecher Spirig.
 
Wäre alternativ ein Einladungsverfahren sinnvoll mit Anbietern kantonaler Lösungen, beziehungsweise die Übernahme einer kantonalen Weblösung? "Die Projektmanagement-Methode HERMES ist eine Aufgabe des Bundes. Hierzu gibt es keine kantonale Weblösung, auf welche zurückgegriffen werden könnte", so das BBL.
 
In der Tat hat beispielsweise das Stadtzürcher OIZ für HERMES eine Sharepointlösung im Einsatz und nicht den EPF-Composer, erklärt das Amt auf Anfrage. Auch das KAIO im zweisprachigen Kanton Bern setzt keine solche Weblösung ein.
 
Das trockene Fazit des BBL: "Trotz sehr offen gestalteter Anforderungen sowie der Möglichkeit, sowohl eine Standardlösung als auch eine Open Source-Lösung anzubieten, hat der Markt nicht auf die Ausschreibung reagiert." (Marcel Gamma)