Kanton Zürich zentralisiert IT

Durch die Zentralisierung der Grundversorgung werden intern Arbeitsplätze verschoben.
Nach Kritik an der alten steht nun die neue IKT-Strategie. Der Kanton setzt auf Zentralisierung und Standardisierung und erhofft sich günstigere Beschaffungen, eine hohe Datensicherheit und mehr Kontrolle.
 
Der Kanton Zürich hat endlich eine neue IT-Strategie. Im Herbst 2017 wurden die strategischen Eckpfeiler bestimmt und inzwischen ist die Strategie ausgearbeitet. Sie bilde die Grundlage für die Digitalisierung der Verwaltung, wie der Kanton mitteilt.
 
Die neue IKT-Strategie löst jene aus dem Jahr 2008 ab, deren Umsetzung bekanntlich als gescheitert betrachtet werden kann. Zu diesem Schluss kam BDO nach einer Überprüfung der IT-Landschaft im Auftrag des Kantons. Kritik an der IT-Führung gab es auch nach einer Untersuchung durch die Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates.
 
"Weg vom Silo-Denken"
Im Rahmen der neuen IKT-Strategie wurde Anfang Jahr das neue Amt für Informatik (AFI) geschaffen. Die Leitung wird im September von Hansruedi Born übernommen. Das AFI ist in der Finanzdirektion angesiedelt und stellt die IKT-Grundversorgung sicher. Daneben verantwortet das AFI den Betrieb eines Security Operation Centers sowie das Qualitäts-, Risiko- und Finanz-Controlling.
 
Die IKT-Grundversorgung wird beim AFI zentralisiert, schreibt die Finanzdirektion. Wegen dieser Zentralisierung werden auch Arbeitsplätze verschoben. An einer Pressekonferenz betont Finanzdirektor Ernst Stocker, dass es sich nicht um Entlassungen, sondern um interne Verschiebungen handelt.
 
Auch das Finanz-Controlling soll durch die Zentralisierung verbessert werden. Er geht auch auf Kritik ein, die es nach der externen Überprüfung der kantonalen IT-Landschaft gab. "Im Bereich Führung und Steuerung gab es Handlungsbedarf. Es fehlte der Blick auf das Gesamtbild", so Stocker. Man wolle vom Silo-Denken wegkommen und die Steuerung zentralisieren.
 
Bis 2025 wird mit einem Aufwand von 180 Millionen Franken gerechnet. Es handle sich hier aber um eine Grobkostenschätzung. Rund 80 Millionen Franken entfallen auf den geplanten standardisierten IT-Arbeitsplatz. Ein Teil der Kosten sei bereits in der Finanzplanung eingestellt. Durch die Zentralisierung komme es aber zu Skaleneffekten und Kostensenkungen etwa im Beschaffungsbereich. Die Höhe der Einsparungen lasse sich nicht beziffern. Auf Grund von Erfahrungswerten werden sie sich je nach Bereich zwischen fünf und 25 Prozent bewegen, schreibt der Kanton. Noch bis Mitte 2019 will der Kanton die meisten Projekte begonnen haben und bis 2022 sollen die meisten abgeschlossen sein.
 
Die strategische Stossrichtungen der neuen IKT-Strategie:
  • eine effektive IKT-Steuerung und Führung
  • eine standardisierte IKT-Grundversorgung
  • die effiziente Bereitstellung der IKT-Grundversorgung durch das AFI
  • standardisierte Betriebs- und Supportprozesse
  • standardisierte Beschaffungsprozesse
  • verwaltungsweites Management der IT-Security
Dreischichtige IKT-Landschaft
Die IT des Kantons wird künftig in drei Schichten gegliedert: die IKT-Grundversorgung, die Kantonsapplikationen und die Fachapplikationen. Alle Projekte sollen aber zentral erfasst werden, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.
 
Zur Grundversorgung gehören der IT-Arbeitsplatz (Hardware, Standardsoftware, Support, Telefonie, etc), ein zentrales Service-Desk als First-Level-Support, der technische Betrieb der Fach- und Kantonsapplikationen sowie der Basisdienste.
 
Der technische Betrieb der Applikationen soll standardisiert, konsolidiert und zentral verantwortet werden. Auch das Identitäts- und Zugriffsmanagement, die Applikationsplattformen und Unified-Communications (Chat, Mobile, Web-Collaboration) gehören zur Grundversorgung. Daneben werden das Netzwerk und die RZ-Services gelistet. Die Grundversorgung soll in einem RZ-Verbund an zwei Standorten erbracht werden und es sollen keine weiteren internen Serverstandorte existieren, heisst es in der Strategie.
 
Kantonsapplikationen werden bei identischen oder ähnlich abgewickelten Geschäftsprozessen von mindestens zwei Direktionen oder einer Direktion und der Staatskanzlei eingesetzt, so die Definition. Die fachliche Zuständigkeit soll pro Kantonsapplikation jeweils festgelegt werden. Diese Direktion ist dann auch für die Weiterentwicklung verantwortlich. Der Betrieb liegt aber beim Amt für Informatik.
 
Das Portfolio der Kantonsapplikationen soll periodisch vom AFI überprüft werden. Wir erinnern uns: Bei der externen Überprüfung durch BDO kam ans Licht, dass unbekannt ist, wie viele Applikationen überhaupt im Kanton im Einsatz sind. Ein vollständiges Inventar gab es bis anhin nicht, ging aus dem BDO-Bericht hervor.
 
Die dritte Schicht der kantonalen IKT-Landschaft bilden die Fachapplikationen. Diese unterstützen spezifische Geschäftsprozesse einzelner Direktionen. Die jeweilige Direktion ist somit für die Beschaffung, Weiterentwicklung und die Finanzierung verantwortlich. Für den technischen Betrieb ist auch hierfür das AFI im Rahmen der IKT-Grundversorgung verantwortlich.
 
Beschaffung und Finanzierung
Für die Beschaffung der IKT-Grundversorgung ist das AFI verantwortlich und die Beschaffung der Fach- und Kantonsapplikationen unterliegt der zuständige Direktion.
 
Wenn eine Beschaffung mit der IKT-Grundversorgung koordiniert werden muss oder den Umfang von 150'000 Franken übersteigt, muss das AFI beigezogen werden. Für IKT-Beschaffungen über 250'000 Franken muss zusätzlich die Stellungnahmen der Operativen Informatiksteuerung eingeholt werden. Damit sollen bedeutende Investitionen besser koordiniert werden, schreibt der Kanton. (Katharina Jochum)