"Das muss sich erst noch einspielen"

Warum sucht der Bund für das Gever-Projekt GENOVA einen Applikationsspezialisten für Acta Nova? Und kommt Atos den Verpflichtungen nach? Die Bundeskanzlei beantwortet Fragen von inside-it.ch.
 
GENOVA, das Riesenprojekt zur Einführung der Gever Bund-Lösung, gibt seit den Anfängen des IKT-Schlüsselprojektes immer wieder zu Fragen Anlass. Nicht bloss wegen der Gesamtkosten von knapp 144 Millionen Franken und der Komplexität des Vorhabens, sondern auch wegen des Zeitplans, den die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im aktuellsten GENOVA-Prüfbericht für "sehr eng getaktet" hält.
 
Zudem hat Lieferant Atos mit dem Produkt Acta Nova von Rubicon laut EFK mit einem "sehr kompetitiven Angebot" den Zuschlag erhalten. Das Produkt soll in allen Departementen eingesetzt werden.
 
Unbestätigte Gerüchte und eine anonyme Quelle von inside-it.ch nennen Stundenansätze von "deutlich unter 100 Franken". Es werden offenbar Gever-Arbeiten vor Ort, ebenso Nearshore und Offshore gemacht. Die EFK schreibt, die Lieferbereitschaft des Hauptdienstleisters sei ein permanentes Risiko sowohl auf Stufe Programm wie auf Stufe Einzelprojekt.
 
Wir erfahren, dass das ISCeco, der Informatik-Leistungserbringer des Wirtschaftsdepartements, in einem Einladungsverfahren einen Applikationsspezialisten für Acta Nova von Rubicon sucht. Dies für diverse Aufgaben im Rahmen des Betriebs und des Supports sowie für die Beratung rund um Migrationsvorhaben verschiedener Verwaltungseinheiten.
 
Die Bundeskanzlei als Programmleiterin Gever Bund sammelte die Antworten zu dieser und weiteren Fragen von inside-it.ch beim involvierten Departement für Bildung, Wirtschaft und Forschung (ISCeco) und beim BBL.
 
Warum ist diese Suche nötig?
 
Bundeskanzlei: Das ISCeco wird künftig der IT-Leistungserbringer für das neue Gever-Produkt Acta Nova sein. Im Zusammenhang mit dem Betriebsaufbau beim ISCeco werden während der Aufbau- und Migrationsphase temporär zusätzliche externe Personalressourcen eingesetzt.
 
Kommt Atos den Lieferverpflichtungen im Rahmen von WTO GEVER zu den zugeschlagenen Konditionen in der Schweiz seit der letzten EFK-Prüfung nach?
 
Bundeskanzlei: Grundsätzlich kommt Atos den Lieferverpflichtungen nach. Der Ressourcenaufbau und -abruf muss sich erst noch einspielen. Wir sind am Anfang einer längeren Zusammenarbeit und solche Prozesse brauchen etwas Zeit, bis sie einwandfrei funktionieren.
 
Kann Atos oder Rubicon (oder eine Firma aus diesem Umfeld) einen Zuschlag in diesem Verfahren erhalten, ohne die Preise der WTO-Ausschreibung zu umgehen?
 
Bundeskanzlei: In der Annahme, dass sich Ihre Frage auf den Zuschlag von Atos und Rubicon bezieht: Der Bezug von Grundleistungen und Optionen basiert auf den vereinbarten Konditionen des Vertrages im Rahmen der WTO-Ausschreibung.
 
Laut Zuschlag soll Atos alles inklusive liefern. Wenn Atos die Leistungen nicht zu den Konditionen der WTO-Ausschreibung liefert, so ist die Bundesverwaltung gezwungen, wesentlich teurere Spezialisten von Dritten zu beschaffen. Wer bezahlt die entstehende Differenz?
 
Bundeskanzlei: Siehe vorherige Antwort. Wenn eine Partei die Leistungen nicht erbringt, stehen die vertraglichen und gesetzlichen Mittel zur Verfügung.
 
Die EFK bezeichnete den Terminplan für die Einführung in der letzten Prüfung als "sehr eng geplant" und "Herausforderung": Wie sieht Ihr aktueller Terminplan aus?
 
Bundeskanzlei: Am 30. April 2018 hat das Amt für Raumentwicklung (UVEK) als Pilotamt den Betrieb mit der neuen GEVER-Lösung Acta Nova erfolgreich und planmässig aufgenommen. Die Einführungen der weiteren Verwaltungseinheiten werden wie geplant bis im Frühjahr 2020 erfolgen.
 
Es wird mit Spannung erwartet, wie das Pilotprojekt bei den Nutzern im UVEK ankommt. Dies könnte Signalwirkung für alle anderen Departemente und Ämter haben. Denn die Einführung von Acta Nova beim gesamten Bund ist das Ziel des IKT-Schlüsselprojektes, aber keine Pflicht. (Marcel Gamma)