Software-Ausfall der Zollverwaltung plagt Spediteure

"Lastwagen stauten sich bis auf die Strasse"
 
Eine andauernde Software-Panne bei der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) hat Spediteure in der Schweiz verärgert, Lieferungen verzögert und Kosten verursacht. Die Story wurde heute von 'SRF' aufgedeckt, inside-it.ch hat Details (und das Bild).
 
Wie EZV-Sprecher David Marquis auf Anfrage in einer Mail an inside-it.ch schreibt, machte die Lösung NCTS am Montag, Dienstag und Mittwoch Probleme. NCTS steht für "Neues Computerisiertes Transitsystem". Es ist überhaupt nicht neu, sondern 18 (!) Jahre alt. NCTS dient zur Übertragung von eingescannten Dokumenten für die Zollverwaltung. Wenn die Daten korrekt übertragen sind, meldet die Zollverwaltung, ob sie eine Ladungskontrolle eines Lastwagens machen will oder nicht. Erst danach kann ein Lastwagen entladen werden, erläuterte Stefan Höcketstaller vom Verzollungsspezialisten Team Transport, der zur Planzer-Gruppe gehört.
 
Das System ist nicht ausgefallen, hat aber "gestottert". "Die Problematik lag bei der Durchlaufzeit der zu verarbeitenden Meldungen in der Anwendung NCTS," schreibt Marquis. NCTS wird vom Bundesamt für Informatik (BIT) für die Zollverwaltung betrieben.
 
Spediteure, die Waren aus der Schweiz exportieren wollten, mussten auf ein Notfallverfahren zur Übermittlung von Verzollungsdaten zurückgreifen. Das hat zusätzlichen Aufwand verursacht. Tom Odermatt vom Verband Spedlogswiss sagte gegenüber 'SRF', grosse Spediteure hätten mit Zusatzkosten von vielleicht 10'000 Franken pro Stunde im Notfallverfahren rechnen müssen.
 
Schlimmer war aber, dass sich die Abwicklung der Lastwagen verzögert hat. Diesen Dienstag wurden die Daten zwar übermittelt, es kamen aber keine Rückmeldungen, so Höcketstaller. "Es herrschte ein Chaos. Unser Hof war voll und die Lastwagen stauten sich bis auf die Strasse." Ausserdem kam es zu verzögerten Lieferungen der Waren.
 
Gemäss EZV läuft NCTS seit Mittwoch Mittag wieder normal. Die Ampel steht auf der Status-Seite der EZV auf grün.
 
Bund will Zollverfahren für 400 Millionen Franken digitalisieren
Wie kompliziert die Verfahren bei einem Ausfall von NCTS werden können, zeigt ein Blick in die 27-seitige Dokumention "Vorgehen bei Pannen: Anwendung und Notverfahren", das die Zollverwaltung zur Verfügung stellt. (PDF).
 
Der Bund plant, alle Zollprozesse zu digitalisieren. Vor einem Jahr hat der Nationalrat einen Gesamtkredit von knapp 400 Millionen Franken für das Grossprojekt bewilligt. Das Projekt DaziT gehört zu den IT-Schlüsselprojekten, die von der Finanzkontrolle, aber auch von den Parlamenten besonders scharf beobachtet werden. Es soll bis 2026 dauern und der Wirtschaft helfen, bis zu 500 Millionen Franken einzusparen. (Christoph Hugenschmidt)