Steuerverwaltung ist nach IT-Umstellung im Rückstand, alles wie geplant

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat im letzten Jahr ihr Uraltsystem Stolis für die direkte Bundessteuer, die Verrechnungssteuer und die Stempelabgabe durch das neue System Difas ersetzt. Seit Ende 2017 läuft das System im Normalbetrieb, bestätigt Pressesprecher Joel Weibel auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Hingegen spricht 'Inside-Paradeplatz' plakativ von einem "Informatik-Debakel erster Güte. Seit Monaten warten Anleger, Sparer und Firmen auf Rückerstattung der Verrechnungssteuer."
 
Doch damit wird laut ESTV lediglich das Vorgehen im Migrationsprozess angesprochen.
 
Man habe im letzten Jahr für die rund einen Monat dauernde Systemumstellung nur vollständig bearbeitete Fälle ins neue Difas übernommen. Damit seien mögliche Probleme mit unvollständigen Datensätzen von Anfang an ausgeschlossen worden. Zudem habe man so über genug Zeit für Schulungen, Tests oder auch das Ausmerzen von Kinderkrankheiten verfügt, erklärt Weibel: "Um zu verhindern, dass die Fälle inkorrekt ins neue System übertragen werden, konnten während der Umstellung keine Fälle bearbeitet werden. Zur Sicherstellung der Qualität hat die ESTV zu Beginn nur kleinere Mengen verarbeitet, und hat so geprüft, ob die Fälle vom System korrekt verarbeitet werden."
 
Das gewählte Vorgehen habe also zwangsläufig Pendenzen produziert, die seit Ende 2017 zusätzlich zum seither wieder laufenden Normalbetrieb im neuen System abgearbeitet werden müssen, so Weibel weiter. Dies habe zur Folge, dass noch nicht in allen Fällen das vom ESTV gewohnte hohe Bearbeitungstempo erreicht werden konnte, fügt er an.
 
Die Konsequenz sei, dass bei jährlich rund 300‘000 Rückerstattungen von der Verrechnungssteuer eine fünfstellige Anzahl von Fällen nicht so schnell wie üblich erledigt werden konnte. Bearbeitet würden die Rückerstattungsanträge im Normalfall innerhalb weniger Monate, und das ist "auch derzeit der Fall", so Weibel. Man läge bei allen Fällen deutlich unter einem Jahr, fügt er an und betont, dass die Schweiz damit im Vergleich zu anderen Ländern "sehr speditiv" arbeite.
 
Die Stolis-Ablösung, hinter der zum Teil mehr als zwanzig Jahre alte Systeme standen, ist laut ESTV planmässig abgelaufen. Seit Ende 2017 würden mehrere hundert ESTV-Mitarbeiter damit arbeiten. Und bis Ende 2018 werde auch wie vorgesehen die Einführung des neuen Mehrwertsteuersystems Mefas erfolgt sein. Diese Umstellung soll an einem Wochenende vorgenommen werden, so Weibel weiter.
 
Er fügt an, dass die rund 111 Millionen Franken teure Erneuerung der elektronischen Systeme der ESTV bis Ende 2018 vollständig umgesetzt sein werde. (vri)