Googles sieben Prinzipien für "nette" KI

Google arbeitet mit dem US-Verteidigungsministerium an einer Software, die mit künstlicher Intelligenz die Erkennung von Objekten durch Drohnen verbessern soll. Rund 4600 Google-Mitarbeiter haben kürzlich in einem offenen Brief gefordert, dass der Konzern aus dem Pentagon-Projekt Maven aussteigen soll, 13 haben das Unternehmen gar aus Protest verlassen.
 
Der Tech-Konzern reagierte auf den Protest und erklärte, dass man den Vertrag mit dem Pentagon 2019 auslaufen lassen werde. Zudem hat Google nun in einem Blogpost seine angekündigten heiligen sieben Prinzipien für den Einsatz von KI veröffentlicht.
 
Soziale Vorteile: Google werde dort in die Entwicklung künstlicher Intelligenz investieren, wo der Gesamtnutzen die vorhersehbaren Risiken und Nachteile deutlich übersteige.
 
Keine Vorurteile: Künstliche Intelligenz kann bekanntlich auch rassistische und sexistische Vorurteile reproduzieren und verstärken – wenn sie mit den entsprechenden Daten gefüttert wird. Google gelobt Anstrengungen zu unternehmen, um dies zu verhindern.
 
Sicherheit: Der US-Konzern will Sicherheitspraktiken entwickeln und anwenden, um unbeabsichtigte Ergebnisse zu vermeiden, die zu Schäden führen können.
 
Rechenschaftspflicht: Neben menschlicher Führung und Kontrolle will Google auch Feedback-Mechanismen in KI-Lösungen einbauen und die Funktionsweise erklären.
 
Datenschutz: Google will in die Entwicklung und Nutzung von KI-Technologie Datenschutzgrundsätze einfliessen lassen.
 
Wissenschaftliche Standards: Google strebe nach hohen wissenschaftlichen Leistungen und Standards, um die Entwicklung im Feld der künstlichen Intelligenz voranzutreiben.
 
Verfügbarkeit: KI soll für jene Bereiche zur Verfügung gestellt werden, die diesen Prinzipien entsprechen.
 
Google-Chef Sundar Pichai, erklärte im Blogpost, bei "Waffen oder andere Technologien, deren Zweck das Zufügen oder Begünstigen von Verletzungen beim Menschen" ist, dürfe keine KI-Technologie verwendet werden. Allerdings werde man weiter mit Regierungen und auch dem Militär in anderen Gebieten zusammenarbeiten. (ts)
 

Unser Kommentar:

Die sieben Gebote für den gottgefälligen Gebrauch von künstlicher Intelligenz werden von der Tochter des nach Marktkapitalisierung zweitgrössten Unternehmens der Welt aufgestellt. Natürlich kann sich auch ein Philanthrop an die Spitze eines solchen Konzerns verirren, aber der Zweck des Unternehmens ist klar: Geld machen. Da nimmt es sich etwas eigenartig aus, wenn Google offiziell sozialen Fortschritt und Antirassismus zum Zweck der KI-Forschung erhebt und zugleich besten Datenschutz verspricht. Immerhin machte Google mit Werbung, die auch auf der Auswertung von Daten beruht, letztes Jahr rund 27 Milliarden Dollar Umsatz.
 
Der aktuelle Schritt ist offenkundig eine Reaktion auf die grossen Proteste aus der eigenen Belegschaft und vermutlich auch auf einen drohenden Imageschaden; das vordergründig menschenfreundliche Engagement wohl primär eine Marketing-Massnahme. Das zeigt sich nur schon daran, dass Google ausschliesslich KI vom militärischen Einsatz ausgenommen hat, während man in den übrigen Bereichen weiter mit dem Militär zusammenarbeiten will. (ts)