Armee wehrt Drohnenangriff auf Interxion in Glattbrugg ab

Schwer bewacht: Das Interxion-RZ (Foto: Interxion)
Im Rahmen der einwöchigen Armeeübung "Skill18" bewachen Soldaten des Gebirgsinfanterie-Bataillons 85 das Rechenzentrum (RZ) von Interxion.
 
Wenn einer der 170 Kunden, die im RZ der Interxion in Glattbrugg eingemietet sind, in dieser Woche an seine Rechner will, hat er statt der bisher sechs Sicherheitsschleusen eine weitere zu überwinden. Bereits der Zugang zu den Parkplätzen der Liegenschaft ist mit Absperrgittern, Nato-Stacheldraht und schwarzen Blachen abgeschottet. Minenwerfer und schwere Miltärfahrzeuge sind einsatzbereit. Jeweils zwei Soldaten stehen im Dreischichtbetrieb an der Zufahrt rund um die Uhr Wache. Wer genau hinschaut sieht zudem einen Wachposten auf dem Dach, der ebenfalls mit zwei Soldaten besetzt ist. Und auch rund um den Gebäudekomplex selbst patroulliert Tag und Nacht das Militär.
 
Der Schutz dieses Gebäudes ist Teil der Übung "Skill 18" der Territorialdivison 4 (Ter Div 4), die vom gestrigen 11. bis zum 15. Juni rund um den Flughafen Zürich mit 240 Soldaten stattfindet. Allein der Objektschutz im Raum der Ter Div 4, der sieben Ostschweizer Kantone (ZH, GL, SH, AR, AI, SG, TG) einschliesst, umfasst 78 Orte von nationaler Wichtigkeit. Das führte der verantwortliche Kommandant, Divisionär Hans-Peter Kellerhals, an der Pressekonferenz aus. Interessant ist, dass auch das Interxion-RZ zu der in neun Sektoren eingeteilten kritischen Infrastruktur der Schweiz zählt.
 
Konkrete Namen der Lokationen gibt es keine. Auch Thomas Kreser, Marketingchef des RZ-Betreibers, äussert sich nicht zu den Gründen dieser Einschätzung. Es dürfte aber auf der Hand liegen, dass diese Klassifizierung aufgrund der Kundenstruktur von Interxion vorgenommen wurde. Auf der Kundenliste stehen jedenfalls neben Connectivity-Anbietern und Systemintegratoren unter anderem auch Finanzdienstleister.
 
Das RZ in Glattbrugg entstand im Jahr 2000 und gehört heute zu modernsten seiner Art, wie Kreser im Gespräch mit inside-it.ch weiter ausführt. Mit zirka 7200 Quadratmetern RZ-Fläche ist es beispielweise das nach wie vor einzige in der Schweiz mit direktem Zugang zu den Amazon Web Services (AWS). Es beherberge unter seinen 170 Kunden gut 40 Service-Provider und adressiere über sein Cloud Connect genanntes Angebot den Zugang zu Microsoft Azure sowie zur IBM und Oracle Cloud, ohne das öffentliche Internet nutzen zu müssen. Der Standort in unmittelbarer Nähe zum Flughafen wurde kontinuierlich ausgebaut und verspricht inzwischen eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent. Heute nutze man nahezu das gesamte Gebäude als RZ, sagt Kreser, und verfüge über ausreichend Fläche zum weiteren Ausbau.
 
Kooperation Armee – Flughafen wird beübt
Das
Zugangskontrolle durch Soldaten (Foto: zvg Skill 18)
Training der Armee konzentriert sich aber nicht allein auf das RZ. Am Tor 130 des Flughafens wurde zudem ein weiterer Checkpoint eingerichtet, an dem alle Personen und Fahrzeuge die aufs Flughafenareal wollen, gründlich kontrolliert werden. Ausserdem wird ein grösseres Gebiet am Rande des Flughafen überwacht. Laut Kellerhans ist das Besondere von Skill 18, dass an einem echten Objekt geübt wird. Am Flughafen Zürich war das zuletzt 2010 in der viel grösseren Übung "Aeroporto 10" der Fall, als rund 5000 Soldaten im Einsatz standen.
 
Diesmal stehen nur Teile des Gebirgsinfanterie-Bataillons 85 im Einsatz. Es sind Soldaten die sich zur Zeit im Raum Walenstadt und Sargans im Wiederholungskurs befindet. Die Truppe von rund 240 Mann der Kompanie 3 und 2 trainieren den Objektschutz und die Zusammenarbeit mit den zivilen Objektverantwortlichen wie der Flughafenpolizei im sogenannten "subsidiären Sicherungseinsatz". Während die 120 Soldaten der Kompanie 3 bis zum morgigen Mittag im Einsatz stehen, kommt dann in gleicher Mannschaftsstärke die Kompanie 2 zum Einsatz. Damit wird auch die Stabsübergabe geübt, wie Divisionär Kellerhals erklärte.
 
Als es am Montagmorgen losging, waren die beteiligten Soldaten erst rudimentär informiert. Einzelne Armeeangehörige wurden per Helikopter eingeflogen, während ein grosser Teil inklusive Material von Walenstadt aus über die Strasse herangeschafft wurde. Gegen Abend war dann die Übungsinfrastruktur aufgebaut und ab 21 Uhr auch die Interxion-Verantwortlichen in Skill 18 integriert.

Insgesamt übernimmt die Armee Überwachungs- und Alarmierungsaufgaben. Während die der Kantonspolizei unterstehende Flughafenpolizei als Gerichtspolizei, Ordnungsdienst und auch für direkte Gefahrenabwehr zuständig ist. Aber es geht auch darum, die Kooperation der Armee mit der Flughafensecurity in einzelnen Übungsszenarium zu testen. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich die Armee diesmal auf Räume ausserhalb des Flughafenareals beschränkt.

So wurde in den ersten Tagen bereits ein Drohnenangriff abgewehrt respektive noch vor dem Start beendet und von sogenannten "Markeuren" der Zugang zum Flughafen am Checkpoint von Tor 130 erfolgreich unterbunden. Die Soldaten haben an den Objekten übrigens auch provisorische Gefängnisse eingerichtet, an denen die aufgegriffene Delinquenten bewacht werden, bevor sie von der Kantonspolizei übernommen werden. Ein Resümee zu den bisherigen Erfahrungen gab es noch nicht. Doch die Beteiligten von Kantonspolizei, Flughafen-Security und Armee lobten bereits die reibungslos funktionierende Zusammenarbeit miteinander. (Volker Richert)