Kaspersky legt Zusammenarbeit mit Europol auf Eis

Der Security-Anbieter Kaspersky gab heute bekannt, seine Zusammenarbeit mit Europol vorübergehend einzustellen. Hintergrund ist ein Bericht über den Schutz vor Cyber-Risiken, der vom Europäischen Parlament behandelt und gestern angenommen wurde. Darin enthalten ist eine Klausel, in der EU-Staaten aufgefordert werden, ihre Hard- und Software zu überprüfen.
 
Gleichzeitig rät das Dokument den EU-Staaten, als bösartig eingestufte Programme und Geräte nicht zu verwenden und zu verbieten. Explizit erwähnt wird hierbei Kaspersky Lab.
 
Die Produkte des russischen Anbieters werden als Beispiel von "als bösartig bestätigte Software" genannt. Die Aussage würde auf unwahren Aussagen beruhen, schreibt Kaspersky. Der EU-Bericht habe zwar keine Gesetzesbefugnis, zeige aber einen "deutlichen Mangel an Respekt für das Unternehmen, das ein fester Freund Europas im Kampf gegen die Cyberkriminalität war", glaubt der russische Anbieter. Deshalb habe man die Entscheidung gefällt, gemeinsame europäischen Initiativen zur Bekämpfung der Internetkriminalität, wie mit Europol, vorübergehend einzustellen. Auch die Arbeit am NoMoreRansom-Projekt, zu dessen Gründungsmitglieder Kaspersky gehört, werde unterbrochen.
 
Laut 'Bleeping Computer' ist die Aufnahme von Kaspersky in den Bericht umstritten. Noch im April habe es von Seiten der EU-Kommission geheissen, dass es "keine Hinweise auf eine Gefahr im Zusammenhang mit dem Anti-Viren-Produkt von Kaspersky" gebe, wird ein Sprecher zitiert. Dennoch wurde der Firmenname in der letzten Version des Berichts aufgenommen.
 
Der russische Security-Softwarehersteller ist bereits in den USA und Grossbritannien unter Druck. Die Regierungen der beiden Länder haben den Einsatz von Kaspersky-Software in ihren Behörden verboten. Es bestehe das Risiko, dass die russische Regierung Zugang über die Produkte ausnutzen könne, um die Systeme der Behörden zu kompromittieren. Kaspersky dementierte diese Vorwürfe, reagierte mit offenem Quellcode und einer erfolglosen Klage in den USA auf die Spionagevorwürfe. Zuletzt kündigte das Unternehmen an, einen Grossteil der IT-Infrastruktur in die Schweiz zu verlegen und ein Transparenzzentrum zu eröffnen. (kjo)