Ex-IT-Chef der Stadt Zürich verurteilt wegen Vorteilsnahme

Das Verfahren gegen prominente Vertreter von Swisscom IT Services wurde eingestellt.
 
Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat den früheren IT-Chef der Stadt Zürich wegen Vorteilsannahme bei der Vergabe von IT-Aufträgen verurteilt.
 
Der ehemalige Direktor der Organisation Informatik Zürich (OIZ) wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 60'000 Franken gebüsst. Diese Summe würde fällig, wenn er sich in den nächsten zwei Jahren nochmals etwas zuschulden kommen liesse. In jedem Fall zahlen muss der ehemalige Chefbeamte die Verfahrenskosten von 5000 Franken. Dies meldet der 'Tages Anzeiger'.
 
Der Anwalt des Verurteilten sagt der Zeitung, sein Klient habe den Strafbefehl schweren Herzens akzeptiert, obwohl er nach wie vor der Meinung sei, nichts Falsches getan zu haben. Aber angesichts eines drohenden jahrelangen Rechtsstreits habe er entschieden, die Strafe nicht anzufechten.
 
In der Tat dauerte die Untersuchung der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte bis anhin schon mehrere Jahre.
 
Der Chefbeamte hatte sich im September 2011 von Swisscom IT Services an ein Formel-1-Rennen einladen lassen. Der IT-Dienstleister hatte auch seine Anreise per Privatflugzeug und Helikopter beglichen. Laut Justiz hatte der Trip einen Wert von 4650 Franken, während Stadtzürcher Beamte nur "Höflichkeitsgeschenke" annehmen dürfen.
 
Kurz vor dem Ausflug hatte der Chefbeamte nach eigenen Angaben, der 'Tages Anzeiger' zitiert ein entsprechendes E-Mail, Swisscom IT Services einen Zuschlag über rund eine Million Franken gegeben.
 
Der IT-Chef verliess die OIZ 2012 und wechselte zur Zürcher Kantonalbank, wo er bis Ende 2017 arbeitete.
 
Swisscom erklärt im 'Tages Anzeiger' "extravagante Einladungen waren und sind konzernweit verboten". Gegen Eros Fregonas, den damaligen CEO von Swisscom IT Services Group und Mitglied der Konzernleitung sowie Claudio Cisullo, IT-Unternehmer und damals Verwaltungsrat, ermittelte die Zürcher Staatsanwaltschaft ebenfalls. Laut 'Tages Anzeiger' wurden die Nachforschungen eingestellt, nachdem diese eine Wiedergutmachung in unbekannter Höhe entrichteten. Die Einladenden arbeiten heute nicht mehr bei Swisscom.
 
Das Urteil ist ein Zürcher Ableger der Korruptionsaffäre im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Denn auf die Spur kam die Zürcher Staatsanwaltschaft im Rahmen dieser Untersuchungen.
 
Anfang 2014 hatten 'Tages-Anzeiger' und 'Bund' aufgedeckt, dass ein Ressortleiter des Seco einer Zuger Firma überteuerte Aufträge für IBM-Produkte zugehalten und dafür Fussballtickets erhalten haben soll. Laut 'NZZ' nähert sich auch der Seco-Fall dem Abschluss: Die Bundesanwaltschaft bereite derzeit die Schlusseinvernahmen vor. (mag)