Der lange steinige Weg zum Informatik-Lehrer am Gymnasium

Im letzten Herbst wurden die Weichen gestellt. Bis in vier Jahren wird Informatik auch an den Schweizer Gymnasien ein obligatorisches Fach. Schon heute sehen sich die Schulen aber vor einer ersten Hürde: Dem Finden von geeigneten Lehrkräften.
 
Ein Teil Unterrichts soll von nachqualifizierten bestehenden Lehrkräften bestritten werden, einen andere Teil müsse man aber neu rekrutieren, sagte Aldo Magno, Chef des Bereichs Gymnasialbildung des Kantons Luzern, zu 'SRF'. Rund 300 neue Lehrerstellen seien in der Informatik schweizweit zu besetzen, rechnet das Medienhaus nach. Woher die Zahlen sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.
 
Hohe Anforderungen an Lehrpersonen
Im letzten Herbst hat der Schweizerische Verein für Informatik in der Ausbildung (SVIA) geschrieben, dass die Anzahl der ausgebildeten IT-Lehrpersonen viel zu gering sei. Wie hoch die Zahlen konkret sind, konnte der Verein auf Anfrage nicht beantworten. Vermutlich dürfte die Diskrepanz zwischen Stellen und Fachpersonal aber erheblich sein: Denn die von der Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) formulierten Zulassungskriterien sind streng.
 
Man muss einen universitären Studiengang in Informatik abschliessen und dazu das Lehrdiplom erwerben. Ist man bereits Informatiker auf universitärer Stufe muss man noch 60 ECTS-Punkte für die Bildungsaspekte erwerben, um unterrichten zu dürfen.
 
Die EDK schreibt, dass die rascheste Lösung die Qualifikation von bestehenden Maturitätslehrern für die Informatik sei. Aber auch hier ist die Anforderung hoch: So muss man 90 ECTS-Punkte in Informatik sowie zehn in Fachdidaktik und sieben in berufspraktischer Ausbildung erwerben.
 
Um dies etwas einzuordnen: In einem 3-jährigen Bachelor-Studiengang müssen 180 Punkte gesammelt werden.
 
Zertifikatslehrgang CAS reicht nicht aus
Alain Gut, Präsident der Bildungskommission von ICTswitzerland, sagte gegenüber inside-it.ch, dass vermutlich kein Weg an einem Informatik-Studium und dem höheren Lehramt vorbeiführe. Die EDK schreibt im Anforderungsprofil explizit: Im Rahmen von Weiterbildungen wie CAS könne die Qualifikation nicht erworben werden. So erklärt dann auch die FHNW, die einen CAS "Informatik am Gymnasium" anbietet, dass die Weiterbildung keine EDK-anerkannte Lehrberechtigung darstelle.
 
Die EDK ist sich der Problematik bewusst und erklärt im Anforderungsprofil, dass bei der Einführung des neuen obligatorischen Fachs allenfalls auf nicht angemessen ausgebildete Lehrer zurückgegriffen werden müsse. Allerdings will die EDK, dass die Qualifikation bis spätestens August 2022 nachgeholt werden müsse. "Ich bin gespannt, wie die Kantone die Anforderung lösen", sagt Gut.
 
In Zürich, wo man mit 40 neuen Vollzeitstellen rechnet, geht man nun in die Offensive. Man wolle an Gymnasien und Universitäten bei Informatik-Interessierten für den Lehrerberuf werben, sagte der Chef des Zürcher Mittelschul- und Berufsbildungsamtes, Niklaus Schatzmann, zu 'SRF'. Er nennt dabei explizit auch Personen, die man dazu motivieren wolle, "im fortgeschrittenen Alter" die Ausbildung nachzuholen. (ts)