Zürcher Daten­schützer kritisiert Swisscoms Schüler-Portal

Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich.
Für Schulen bietet Swisscom das Portal Helloclass, auf dem sich Schüler, Eltern und Lehrer austauschen können. Das 2014 lancierte Portal wird laut Swisscom von Hunderten von Klassen eingesetzt. Nun steht es aber unter heftiger Kritik des Zürcher Datenschützers Bruno Baeriswyl. "Helloclass ist nicht datenschutzkonfrom", sagt er der 'SonntagsZeitung'.
 
Der Datenschutzbeauftragte kritisiert eine Reihe von Aspekten in den Helloclass-Datenschutzbestimmungen. Etwa erkläre sich Swisscom in den Bestimmungen zum "Datenverantwortlichen". Dies würde bedeuten, Swisscom könne über die Daten, die bei Helloclass erhoben werden, verfügen. "Das stimmt natürlich nicht", sagt Baeriswyl zur 'SonntagsZeitung'. "Für die Daten ist weiterhin die Schule verantwortlich, sie hat die Verarbeitung nur ausgelagert."
 
Swisscom beabsichtige keine Marketing-Massnahmen
Swisscom verarbeite laut Helloclass-Datenschutzbestimmungen Namen, IP-Adressen und E-Mail-Adressen der Anwender und Informationen zur Nutzung, etwa Datum, Uhrzeit und Dauer. Auch Infos zu Browsern und Betriebssystem der User würden gesammelt. Darüber hinaus sei Swisscom laut Datenschutzbestimmungen berechtigt, die "Helloclass"-Daten für das "Anbieten von Marketing und Werbeinformationen gegenüber Schulen und/oder Lehrpersonen zu nutzen" und "weiteren Dienstleistern" weiterzugeben oder zu verkaufen, so der Bericht.
 
Swisscom stellt gegenüber der Zeitung klar, dass man zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt habe, eigene Marketingmassnahmen durchzuführen oder Nutzerdaten an Dritte weiterzugeben. "Wir werden die Datenschutzbestimmungen umgehend anpassen und die Nutzer darüber informieren", so ein Swisscom-Sprecher zu 'SonntagsZeitung'. Den Anwendern sichere man zu, dass ihre Daten nicht zu diesen Zwecken verwendet worden seien.
 
Baeriswyl ist Autor des Leitfadens "Datenschutzlexikon Volksschule". In diesem wolle er jetzt Helloclass ein eigenes Kapitel widmen, denn der Marketing-Aspekt sei nur einer der Kritikpunkte. (kjo)