ETH hilft bei Informatik-Lehrer-Ausbildung mit eigenem Lehrmaterial

Mit dem Lehrplan 21 ist neue Hardware und Software in den Zürcher Schulen nötig, aber auch Lehrer, welche fit sind im Fach "Informatik und Medien". Ein Drittel der Zürcher Lehrer habe die Weiterbildung schon absolviert, schreibt die 'Limmattaler Zeitung'.
 
Zwei Drittel der Lehrer sind also noch nicht ausgebildet, um allen Kindern ab der fünften Klasse das Fach zu lehren. Hier will die ETH Zürich mit ihrem Ausbildungszentrum für Informatikunterricht zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden helfen, meldet der 'Tages-Anzeiger'. 3000 Ausbildungsplätze könne man bieten, 2000 seien belegt.
 
ETH-Professor Juraj Hromkovic, der schon seit etwa 15 Jahren Informatik in Volksschulen lehrt, ist dabei federführend. Seine gesammelte Erfahrung fliesst im Rahmen eines eigenen Lehrmittels namens "Einfach Informatik" ein. Das heisst gleichzeitig laut 'Tages-Anzeiger', das neue, offizielle Lehrmittel "Connected" des Kantons Zürich wird von Hromkovic nicht eingesetzt.
 
Der ETH-Professor mag sich nicht dazu äussern, aber formuliert in einem Blogbeitrag seine Philosophie zum Informatikunterricht: Erstens gehe es nicht darum, Wissen zu vermitteln, die Kinder sollen vielmehr Erfahrungen sammeln und versuchen, Prozesse und Problemlösungen zu verstehen. Zweitens beruft er sich auf das "konstruktivistische Lernen" des Entwicklungspsychologen Jean Piaget. Bei diesem Modell erwerben Kinder durch selbständiges Ausprobieren ihr individuelles Wissen und nicht durch Informationstransfer. Sie werden im individuellen Lernprozess von Lehrern unterstützt. Hromkovic wirbt für seine Philosophie: "Der Informatikunterricht ist geradezu prädestiniert für konstruktivistisches Lernen!"
 
Gleichzeitig teilt er die Ängste und Hoffnungen vieler Informatik-Branchen-Vertreter: "Ich hoffe sehr, dass Kinder und Jugendliche nicht nur darin unterrichtet werden, wie sie digitalen Technologien nutzen sollen. Das ist ein wichtiger Aspekt, aber – meiner Meinung nach – nicht der zentrale", schreibt Hromkovic.
 
Die erste Lektüre des ersten Bandes des offiziellen Lehrmittels "Connected 1" zeigt, dass er zumindest theoretisch keinen Grund zu Befürchtungen hat. (mag)