UBS zeigt den digitalen Kundenberater

UBS-Chefökonom Daniel Kalt war das Vorbild für den digitalen Berater.
Für einen Test hat sich UBS-Chefökonom Daniel Kalt digitalisieren lassen. Zusammen mit einem weiteren smarten Assistenten steht er den Vermögensberater mit Know-how beiseite.
 
Es handle sich um die nächste technische Revolution, so Matthias Koller, Projektleiter WM Innovation Lab bei der UBS, heute vor der Presse. Siri, Amazon Alexa, Google Duplex und Co. zeigen, was mit Sprachschnittstellen und KI alles möglich ist und nun präsentierte auch die Grossbank, wie sie zukünftig Sprachassistenten einsetzen könnte. Innert sieben Monaten sei der virtuelle Kundenberater UBS Companion entwickelt worden. Die Grossbank setzt dafür auf die Watson Conversational Plattform von IBM des neuseeländischen Unternehmen FaceMe, das unter anderem für seine Arbeit bei der Verfilmung von "Herr der Ringe" bekannt ist.
 
UBS Companion wird derzeit in der Filiale am Bellevue mit insgesamt 100 Kunden getestet. Der Vermögensverwalter kann im Beratungsgespräch auf zwei Assistenten zurückgreifen, die jeweils als Avatare auf einem Bildschirm erscheinen. Ersterer, genannt Fin, ist sehr abstrakt und niedlich gestaltet und dient insbesondere dafür, rasch Fakten abzurufen. So gab Fin (Bild unten) am heutigen Medienanlass Auskunft über den Kurs des Schweizer Frankens zum Pfund oder über das Kreditkartenangbot der Bank. Im Grunde sämtliche Informationen, die die Bank sonst über Broschüren oder im Internet verteilen würde und der Kundenberater über ein Tablet aufrufen könnte. Dank Anbindung an das Back-End kann über die Sprachschnittstelle auch gleich ein entsprechendes Produkt bestellt werden.
 
Für den zweiten Avatar hat sich Daniel Kalt, Chefökonom und Region Chief Investment Officer Schweiz bei der Grossbank, digitalisieren lassen. Nach stundenlangem Grimasse-Schneiden und tausenden von hochauflösenden Bildern entstand schliesslich sein Avatar. Im Beratungsgespräch gibt der digitale Kalt vertiefte Informationen über die Weltwirtschaft. Gefüttert wird er mit Informationen des UBS House View, der Investment-Hausmeinung der Grossbank. Und die Watson-Technologie ermögliche die intelligente Konversation, ergänzt IBM-Dach-Chef Matthias Hartmann. Er kann somit Fragen zur Wirtschaftslage beantworten und einen Einblick in das aktuelle Geschehen geben. Kalt wirkt lebensnah, wenn auch manchmal unbeabsichtigt komisch. Hautfarbe und Schattierungen, Haare und Falten
"Fin" hilft dem UBS-Berater im Gespräch.
wirken menschlich, er runzelt die Stirn, lächelt und sein Blick verfolgt den UBS-Angestellten durch den Raum.
 
Neben dem grossen Bildschirm und einem Sensor gehört auch ein Touchpad, das der Kundenberater berühren muss, um den Avatar anzusprechen, zum Setup im Beratungsraum. Zudem steht ein Server im Schrank, denn ein Grossteil der Berechnungen werde lokal ausgeführt.
 
Es handle sich beim virtuellen Kundenberater nicht um einen Roboadvisor, betont die Bank, sondern um einen Cobot. Die Software ergänze den Menschen und ersetze ihn nicht. Und auch ist unklar, wie breit Kalt und Fin bei der Bank in Zukunft zum Einsatz kommen werden. Es handle sich nicht um ein Pilotprojekt, sondern um ein Minimal Viable Product, das man derzeit teste. Etwa will die Bank herausfinden, wie gut die UBS-Angestellten und auch die Kunden dem digitalen Assistenten vertrauen und ob er sich eignet, um Kompetenz zu vermitteln. Wie menschlich soll der Avatar sein und wie unsichtbar darf die Technologie sein, sind weitere Fragen, die es zu klären gebe. Für den aktuellen Test haben die Kunden speziell ihr Einverständnis gegeben und man informiere transparent darüber, welche Daten wie und wo verarbeitet werden. Zudem werde das Experiment von Ethikern, Psychologen und Security-Experten begleitet.
 
Im vierten Quartal 2018 folge eine Auswertung der Tests. Es sei derzeit nicht das Ziel, dass die Technologie in drei Jahren in allen Beratungszimmern stehe, erklärt Koller. Als weitere mögliche Anwendungsfälle nennt er eine Art TV-Angebot. Hier würde der virtuelle Chefökonom rund um die Uhr einen Überblick über relevante Wirtschaftsereignisse geben. Auch sei ein speziell auf den Kunden zugeschnittener Assistent denkbar. (Katharina Jochum)