Cybersicherheit: Top-Experten kritisieren den Bundesrat

Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) ist nicht für Panikmache oder übermässig offensive Kommunikation bekannt. Dass sich die SATW nun mit einem offenen Brief an den Bundesrat wendet und Forderungen stellt, ist deshalb bemerkenswert.
 
Die SATW lobt in dem offenen Brief von heute den Bundesrat dafür, dass er ein nationales Kompetenzzentrum für Cyber-Security aufbauen und einen "Mr. Cyber" ernennen will. Allerdings gingen die Massnahmen angesichts der sich stetig weiterentwickelnden Bedrohungslage zu wenig weit. "Die Richtung stimmt, doch das Vorgehen ist zu zögerlich und die Massnahmen sind ungenügend", schreibt die Akademie.
 
Kritisiert wird, dass für das Kompetenzzentrum lediglich eine Koordinations- aber keine Führungsfunktion vorgesehen ist. Auch fehlten Sofortmassnahmen und aus dem Entscheid des Bundesrats gehe nicht hervor, welche zusätzlichen Ressourcen in den Departementen gesprochen werden.
 
Die Ressourcenfrage müsse zwingend geklärt sein, um Handlungsfreiräume zu schaffen, glaubt die SATW. In den Budgets 2019 von mindestens dem EFD, dem VBS und dem EJPD sollen ausreichende finanzielle Mittel und ein Personalkontingent bereitgestellt werden. Als Sofortmassnahme sollen der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) und der Koordinationsstelle NCS (Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken) zusätzliche Stellen zugewiesen werden.
 
Das Advisory Board der SATW rät zudem, dass der "Mr. Cyber" einen direkten und schnellen Zugang zum definierten Bundesratsausschuss erhält und auch direkt an den Bundesrat rapportiert. (kjo)