Broadcom will CA kaufen

Ein Chiphersteller will für 18,9 Milliarden Dollar einen Softwarehersteller kaufen.
 
Broadcom und CA Technologies haben bekannt gegeben, dass sie sich auf ein Übernahmeangebot geeinigt haben. Broadcom will den CA-Aktionären 44,5 Dollar in Bar pro Aktie zahlen, was den Chiphersteller insgesamt 18,9 Milliarden Dollar kosten würde. Dies entspricht einem Aufpreis von 20 Prozent auf den Kurs der Aktien vor der Bekanntgabe des Deals.
 
Der Handel muss noch von US-Behörden und den CA-Aktionären abgesegnet werden. Wenn alles nach Plan läuft, möchte Broadcom die Übernahme noch vor Ende dieses Jahres abschliessen.
 
Darüber, was nach der Übernahme mit dem Softwarehaus CA geschehen würde, gaben die beiden Unternehmen noch nicht viel bekannt. Angesichts der weit entfernt liegenden Geschäftsfelder der beiden Unternehmen ist anzunehmen, dass CA nicht in den Konzern integriert sondern als unabhängige Tochter oder zumindest sehr eigenständige Abteilung weiteroperieren wird.
 
Der Broadcom-Chef Hock Tan argumentierte, dass sein Unternehmen durch den Kauf sein Geschäftsfeld ausweiten und zu einem der führenden Anbieter von "Infrastruktur-Technologie" werde.
 
Die Ankündigung der Übernahme überrascht die meisten Beobachter der IT-Szene. Anders als die geplante, aber gescheiterte Übernahme des Chipherstellers Qualcomm durch den Rivalen Broadcom, passt sie nicht in die übliche Logik von Übernahmen. Die Geschäftsfelder der beiden Unternehmen liegen so weit auseinander, dass es schwerfällt, irgendeine offensichtliche Synergie auszumachen.
 
Broadcom designt und verkauft Chips, beispielsweise Wi-Fi, Bluetooth und GPS-Chips für Smartphones sowie Komponenten für Netzwerke und Storagesysteme. Die Kunden von Broadcom sind also Gerätehersteller. CA Technologies dagegen hat eine breite Palette von Softwareprodukten für Unternehmen auf Lager, zum Beispiel im Bereich IT-Infrastrukturmanagement, Softwareentwicklung und Security. Das Unternehmen wurde 1976 gegründet und entwickelte anfänglich ausschliesslich Software für Mainframes. Laut dem 'Wall Street Journal' stammt auch heute noch der grössere Teil des Gesamtumsatzes aus dem Mainframe-Umfeld.
 
Die beiden Unternehmen haben also komplett unterschiedliche Produkte, Entwicklungszyklen, Know-how, Vertriebswege und Kunden. Auch eine Möglichkeit, wie die Produktpaletten integriert werden oder sich in anderer Weise gegenseitig befruchten könnten, ist nicht offensichtlich.
 
Dies macht die Annahme wahrscheinlich, dass Broadcom den Kauf von CA hauptsächlich als Finanzinvestition sieht und hofft, von den Gewinnen des Softwarehauses zu profitieren und das Unternehmen allenfalls später wieder gewinnbringend verkaufen zu können. (Hans Jörg Maron)