Siemens erhält dringlichen Freihänder für Software im Gotthardtunnel

Begründung: Der ursprüngliche Auftragnehmer habe das System nicht vertragskonform umsetzen können.
 
Siemens Mobility hat einen Zuschlag von rund 6,2 Millionen Franken für die Anwendungssoftware Leittechnik des Gotthard-Basistunnels erhalten. Der Auftrag wurde freihändig erteilt und zwar als "dringliche Ersatzvornahme", wie Auftraggeber Alptransit Gotthard schreibt. "Der für die Realisierung der Anwendersoftware verantwortliche Unternehmer war trotz mehrmaliger Fristansetzung nicht in der Lage, eine mängelfreie Leistung zu erbringen", heisst es in der Begründung der SBB-Tochter.
 
Der Auftrag an Siemens Mobility war ursprünglich Teil des Leistungspakets "Ausrüstung Nebenbauwerke Gotthard-Basistunnel". Der Werkvertrag mit einem Volumen von etwas mehr als 43 Millionen Franken wurde im Frühling 2012 mit der Bietergemeinschaft ARGE Equitec Gotthard (ETG) unterschrieben. Die Gemeinschaft, zu der Implenia und Alpiq gehören, vergab den Posten Leittechnik an einen Luzerner Subunternehmer.
 
Das Leitsystem hätte zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vor zwei Jahren fertig gestellt sein sollen: Aber die Software wollte anscheinend nicht mitspielen. Es habe verschiedene Nachbesserungen gegeben, aber das System habe nicht vertragskonform abgenommen werden können, wie Dieter Schwank, CEO von Alptransit Gotthard, auf Anfrage von inside-it.ch erklärt.
 
Siemens Mobility verfüge als einzige Firma über das notwendige technische und personelle Know-how, um die Software im vorgesehenen Zeitrahmen fertigzustellen und aufzuspielen, so Alptransit in der Begründung des Zuschlagsentscheids. Man sei neben den sachlichen Problemen nun schlicht aus Zeitgründen gezwungen gewesen, ein Drittunternehmen zu betrauen, erklärt Schwank. Auf Knopfdruck sei die Angelegenheit nicht zu erledigen. Die notwendigen Arbeiten würden bis Mitte 2019 dauern.
 
Auf Anfrage sagt Jürg Biese, Technischer Leiter des Projekts bei ARGE Equitec Gotthard, dass aus Sicht der Bietergemeinschaft die Voraussetzungen für eine Ersatzvornahme und eine freihändige Neuvergabe nicht gegeben seien. "Wir sind über das Vorgehen von Alptransit Gotthard erstaunt. Dies insbesondere deshalb, weil die von ARGE Equitec Gotthard im wesentlichen fertiggestellten Anlagen bereits seit bald zwei Jahren einen störungsfreien kommerziellen Bahnbetrieb ermöglichen", so Biese. ARGE Equitec Gotthard prüfe die Situation eingehend und behalte sich rechtliche Schritte vor. (ts)