Wenn sich der CIO nicht weiter­entwickelt wird er bald überflüssig

Christian Reilly, Chief Technology Officer & Vice President bei Citrix.
Die Umwälzungen der digitalen Transformationen erfordern auch von den IT-Verantwortlichen, dass sie sich in eine neue Rolle einfinden. Ein Beitrag von Citrix-CTO Christian Reilly.
 
Der Swiss CIO Award findet diesen Herbst bereits zum siebten Mal statt. Seit der Preis das erste Mal vergeben wurde, hat sich in der Welt der IT-Chefs schon einiges geändert. Aber ein grosser Umbruch steht noch bevor. Da die meisten Unternehmen sich mitten in der digitalen Transformation befinden, ändern sich auch die Aufgaben eines CIO. Er braucht nicht nur neue Fähigkeiten, er muss auch Neuerungen in der Unternehmenskultur vorantreiben. Auf diese Veränderungen und die Herausforderungen, die damit einhergehen, geht Citrix-CTO Christian Reilly in einem Gastbeitrag ein.
 
Die Digitalisierung hat eine Reihe neuer Positionen in Unternehmen entstehen lassen. Besonders neue C-Level-Positionen verbreiten sich: Da gibt es auf einmal einen Chief Data Officer oder einen Chief Digital Officer. Doch eigentlich sind die meisten Unternehmen schon lange auf dem Weg zu einem völlig digitalisierten und datengetriebenen Geschäft, mit dem CIO im Zentrum der Entwicklung. Während die IT-Chefs sich lange Zeit bemühten, die immer komplexeren IT-Verantwortlichkeiten zu zentralisieren, bekommen sie zunehmend Konkurrenz aus den eigenen Reihen.
 
Dahinter stehen vielfältige Entwicklungen. Heute ist Software häufig so einfach, dass es keine Experten mehr braucht, um sie zu installieren, was sich bekanntlich in der Schatten-IT niederschlägt. Das kann man auch bei As-a-Service-Lösungen beobachten, die nicht mal mehr eine Installation benötigen. Auch neue Arbeitsmethoden, wie DevOps, bringen die Rolle des CIO durcheinander. Wenn CIO nicht aktiv daran arbeiten, ihre Schlüsselposition im Unternehmen zu verteidigen, könnten sie bald nur noch dafür zuständig sein, alte Systeme abzuwickeln.
 
Eine Position im Wandel
War die IT früher hauptsächlich eine Kostenstelle, entwickelte sie der CIO in den letzten Jahren zu einem Ort, wo Umsatz generiert wird. Dazu wurden Rechenzentren modernisiert, die Unternehmens-IT konsolidiert, Sicherheit und Compliance stetig verbessert.
 
In letzter Zeit musste sich der CIO dann mit den Risiken durch die sogenannte Kosumerisierung befassen, das bedeutet, dass Arbeitnehmer mit ihren eigenen mobilen Geräten arbeiten. Diese BYOD-Bestrebungen sehen IT-Experten aber kritisch, vor allem unter Sicherheitsaspekten. Die Cloud-Transformation bedeutet eine weitere Herausforderung für die IT-Verantwortlichen. Heute gibt es kaum einen Produktions- oder Geschäftsprozess, der von den digitalen Technologien nicht beeinflusst wird. Die Rolle des CIO von morgen hat damit eine ganz andere Bedeutung. Besonders vier Aspekte sind für diese Entwicklung zentral:
 
1. Der CIO wird zum Geschäftspartner
Die strategische Bedeutung der IT-Abteilungen wächst immer weiter und sie integrieren sich zunehmend in die Wertschöpfungskette, anstatt nur unterstützende Aufgaben wahrzunehmen. Das ist nur noch nicht überall im Unternehmen angekommen. CIO müssen sich und anderen Abteilungen immer wieder bewusstmachen, dass die IT mittlerweile einen Mehrwert erwirtschaftet und nicht mehr eine blosse Kostenstelle darstellt.
 
Gelingt es dem CIO seine Bestrebungen für alle verständlich zu machen, kann er die Führung bei der digitalen Transformation seines Unternehmens übernehmen. Doch dabei kommt es auf die Sprache an, als Techniker fällt es ihm nicht immer leicht seine Vorhaben so zu erklären, dass auch Betriebswirtschaftler direkt die Vorteile erkennen. Es geht darum die Umsatzauswirkungen von IT-Prozessen in "Business-Sprache" wiederzugeben. Da die digitale Transformation immer wieder neue Prozesse aus sich selbst heraus hervorbringt, ist dies keine leichte Aufgabe.
 
2. Der CIO wird zum Mentor für Innovatoren
Im Zuge der Digitalisierung ist eine Reihe firmenübergreifender Innovationsprojekte entstanden. Die Vergangenheit zeigt, dass Innovationen oft dort entstehen, wo man sie nicht erwartet, etwa in kalifornischen Garagen. Ein moderner CIO muss immer auch ausserhalb seiner Abteilung die Augen nach neuen innovativen Ideen und Konzepten offenhalten und deren Initiatoren nach Kräften unterstützen. Ausserdem gehört die Förderung agiler Entwicklungsmethoden zu den Aufgaben des CIO, dadurch beschleunigt er Innovationen und stellt sicher, dass neue Lösungen auch den Erwartungen der Digital Natives entsprechen. Die neue Unternehmenskultur sollte Erfolg belohnen, aber Scheitern nicht bestrafen. Falls neue Konzepte nicht wie geplant aufgehen ist es Aufgabe des CIO die Mitarbeiter zu immer neuen Ideen zu motivieren.
 
3. Der CIO wird zum Vermittler
Die Digitalisierungsbestrebungen in Unternehmen können von ganz unterschiedlichen Zentren ausgehen. Services und Anwendungen können zudem bei mehreren Anbietern gehostet sein. Eine konzentrierte Transformationsstrategie zu verfolgen wird schwierig – es sei denn der CIO bringt als Vermittler alle Beteiligten an einen Tisch und entwirft einen Fahrplan für die Digitalisierung des Gesamtunternehmens. Dadurch verlaufen Innovationen kotrollierter. Zu einer einheitlichen Digital-First-Strategie gehören abteilungsübergreifende DevOps, eine auf Self-Service abgestellte Prozessautomatisierung, flexiblere Workflows und die strategische Nutzung von Multi Cloud Services.
 
4. Der CIO wird zum Anziehungspunkt für Talente
Ohne Frage, viele Arbeitsplätze werden durch die digitale Transformation verloren gehen, aber sie wird auch viele neue hervorbringen. Bereits heute suchen Unternehmen händeringend nach hochqualifizierten Fachkräften wie Data Scientists, KI-Spezialisten, Multi-Cloud-Softwarearchitekten, Entwickler für Mensch-Maschine-Schnittstellen und Robotikexperten, um nur einige Beispiele zu nennen.
 
Es herrscht ein scharfer Wettbewerb um die Talente der IT-Branche. Daher muss der CIO alles daran setzen die besten Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu halten. Nicht nur die neueste Hard- und Software braucht es dafür, IT-Abteilungen möchten auch flexible Arbeitsbereiche und -Zeiten. Dafür muss ein IT-Chef mehr mitbringen als reines Fachwissen, er muss etwas von Teambuilding, Motivation, Mentoring, Karriereberatung, Konfliktlösung und Krisenmanagement verstehen.
 
Durch die Umwälzungen der Digitalisierung steht die Existenz der IT-Abteilung auf tönernen Füssen. Dank verschiedenen As-a-Service-Angeboten wäre es für Unternehmen durchaus möglich auf sie zu verzichten. Doch gut wäre das nicht, es würde eher im Chaos enden. Der CIO hingegen kann mit seiner Abteilung die Digitalisierung effektiv planen, steuern und schliesslich monetarisieren. (Christian Reilly)
 
Über den Autor: Christian Reilly ist seit 2015 Chief Technology Officer & Vice President bei Citrix und war unter anderem zuvor bei Bechtel Corporation tätig. Bei Citrix setzt er sich für Technologien ein, die ihren Kunden dabei helfen, die Welt zu verändern. In seiner Freizeit ist Reilly ein Wochenend-DJ, Cricketspieler und Fussballfanatiker.