Siemens teilt sich neu in drei Sparten - davon eine für Digitalisierung

Siemens-Chef Joe Kaeser will den einzelnen Sparten des Industriekonzerns mehr Freiheiten geben und ihnen damit zusätzliche Wachstumskräfte verleihen. Aus bisher fünf Industriesparten sollen drei weitgehend selbstständige Unternehmen werden. Die drei künftigen Unternehmen würden sich mit Energietechnik, Infrastruktur- und Gebäudetechnik sowie mit der Digitalisierung der Industrie befassen, erklärte der 61-jährige Siemens-Chef heute in München bei der Vorstellung der Strategie "Vision 2020+".
 
Der Konzern soll mit dem Umbau schneller wachsen und mehr Rendite abwerfen als bisher, die Zentrale soll verschlankt werden und mehr Kompetenzen an die neuen Sparten abgeben. Kaeser wich der Frage aus, wie viele Beschäftigte von dem Umbau betroffen sind. "Wir nehmen uns Zeit, um das in die neue Struktur zu bringen."
 
Von Nürnberg aus soll das digitale Industriegeschäft – von Kaeser als "Diamant" bezeichnet – geleitet werden. Die Digital Industries genannte Einheit hat 78'000 Mitarbeiter und erwirtschaftet 14 Milliarden Euro Umsatz. Künftig will das Unternehmen vermehrt beratend tätig sein und beispielsweise Lösungen für das Internet der Dinge für Kunden ausarbeiten. Bis 2025 will Siemens laut 'Handelsblatt' bis zu 10'000 Mitarbeiter in diesem Bereich einstellen. Gleichzeitig gibt Siemens die Übernahme von Mendix bekannt, einem US-amerikanischen Anbieter von cloud-basierten Low-Code-Programmierplattformen. Der Kaufpreis beläuft sich laut einer Mitteilung auf 600 Millionen Euro.
 
Die neue Infrastruktur-Einheit wird künftig von Zug aus gesteuert. Ihr werden weltweit 71'000 Mitarbeiter und 14 Milliarden Euro Umsatz zugeordnet. Zurzeit sei Zug der Hauptsitz für die Gebäudetechnik mit 28'000 Mitarbeitern weltweit. Nun entstehe die künftige Infrastruktur-Einheit aus der Zusammenlegung von Teilen des Energiemanagements mit der Gebäudetechnik, sagte Siemens-Sprecher Robin Zimmermann auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'AWP'.
 
Die Energiesparte mit weltweit 71'000 Mitarbeitern und 21 Milliarden Euro Umsatz soll ihren Sitz im Zentrum der US-Ölindustrie, in Houston, haben. Diese Entscheidung dürfte auch mit der aggressiven Handelspolitik von Präsident Donald Trump zu tun haben. (sda/kjo)