Postfinance hält am Stellenabbau fest

Auf Anfrage präzisiert das Finanzinstitut, wieviele Mitarbeiter bei Operations und Informatik von der Digitalisierung betroffen sind. Und warum.
 
Postfinance hält am Stellenabbau für 2019 auch nach Abschluss des Konsultationsverfahrens fest. Bereits im Juni hatte das Finanzinstitut die Streichung von 500 Vollzeitjobs bis Ende 2020 mit der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen begründet.
 
Zudem wird die Beratung von Privat- und Geschäftskunden neu ausgerichtet. Parallel dazu sollen aber auch neue Stellen geschaffen werden.
 
Im Konsultationsverfahren seien von Mitarbeitern nun "zahlreiche gute Ideen" eingegangen, von denen einige aufgenommen und weiterverfolgt würden, heisst es in einer Mitteilung. Es habe aber keine Vorschläge gegeben, die die geplanten Massnahmen ersetzen könnten.
 
Wenn möglich soll der Abbau über die natürliche Fluktuation realisiert werden. Für alle direkt betroffenen Mitarbeitenden komme der Sozialplan zur Anwendung, so Postfinance.
 
Informatiker kommen mit dem Schrecken davon
Bei der Ankündigung der Pläne hatte ein Postfinance-Sprecher inside-it.ch gesagt, dass auch die Bereiche Operations und Informatik betroffen sein könnten. Auf Anfrage präzisiert Sprecher Johannes Möri nun:
"Die für das Jahr 2019 konsultierten Massnahmen bei Operations betreffen folgende Bereiche:
  • Die durchgängige Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse im Bereich Operations Services führt zu einem Abbau von 45 Vollzeitstellen.
  • Durch ein vereinfachtes Login-Verfahren für den Einstieg ins E-Finance fallen die gelben Kartenleser weg. Das führt im Bereich Produzione Output Bellinzona zum Abbau von zwei Vollzeitstellen.
  • Die Vereinfachung der Prozesse zur Prüfung von Compliance-Anforderungen, verbunden mit der Auslagerung an die darauf spezialisierte Firma Finform, führt zu einem Abbau von 24 Vollzeitstellen.
  • Der Wechsel von Konto Services von St. Gallen nach Netstal hat Änderungskündigungen für 20 Vollzeitstellen zur Folge.
Und wie sieht es bei den Informatikern konkret aus? "Im Bereich IT haben wir für das Jahr 2019 keine Massnahmen konsultiert", sagt Möri.
 
Darüber hinaus seien mit den Sozialpartnern Transfair und Syndicom Abfederungsmassnahmen beschlossen worden, wie beispielsweise die Option der Frühpensionierung ab 58 Jahren zu deutlich verbesserten Konditionen oder finanzielle Unterstützung bei Weiterbildungen.
 
Syndicom: "Zu spät oder falsch auf Digitalisierung reagiert"
Nach Ansicht der Gewerkschaft Syndicom hingegen zeigt sich Postfinance trotz punktueller Verbesserungen für Frauen und Teilzeitarbeitende "knausrig". Das Personal könne sich insgesamt mit dem Sozialplan und den angedachten "sogenannten flankierenden Massnahmen" nicht zufrieden zeigen, teilt die Arbeitnehmervertretung mit. Da die Mittel bei der Postfinance vorhanden seien, wäre deutlich mehr möglich gewesen.
 
Weniger negativ äussert sich die zweite Sozialpartnerin Transfair. "Dank intensiver und konstruktiver Verhandlungen konnte Transfair deutliche Verbesserungen für die Betroffenen erzielen", so eine Stellungnahme.
 
Die Ursache liege nicht in der Digitalisierung und Automatisierung, so Syndicom, die Begründung sei ein Vorwand: "Die Restrukturierung wurde nötig, weil Postfinance in der Vergangenheit zu spät oder falsch auf die Digitalisierung reagiert hat." Die Zuständigen hätten keine zukunftsträchtigen digitalen Produkte entwickelt, so ein Syndicom-Sprecher zu inside-it.ch (mag / sda)