Neues zur Zensur-Version der Google-Suche für China

Google soll eine Version ihrer Search Engines bauen, die chinesischen Zensoren gefällt. Wie Google die dafür nötige Blacklist erstellt? So.
 
Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Google in China einen Neuanfang machen und den 750 Millionen-Konsumenten-Markt erobern will.
 
Dabei wolle Google ihre Search-Engine massgeschneidert für die chinesischen Regierungswünsche umbauen. Verbotene Websites sollen blockiert, nicht genehme Suchanfragen wie "Menschenrechte" würden keine Resultate liefern.
 
Die Details zum Projekt namens "Dragonfly" wurden vor einer Woche von der Investigativ-News-Plattform 'The Intercept' publiziert. Die 'New York Times' hatte mit Berufung auf ebenso anonyme Quellen dasselbe vermeldet.
 
Amnesty International und andere Interessierte bezeichnen das Projekt, falls es existiert, als "Zensur" und finden harsche Worte.
 
Nun schiebt 'The Intercept', mit Verweis auf Quellen bei Google, konkrete Informationen nach: Nämlich wie Google eine schwarze Liste von Websites erstellt.
 
Und das gehe so: Google habe eine chinesische Website, die dem Konzern selbst gehört, dazu verwendet, um herauszufinden, welche Websites von den chinesischen Behörden blockiert werden. Die Website 265.com ist ein Nachrichtenportal mit Links und Anzeigen und laut dem Ranking-Engine Alexa.com auf Platz 1318 der meistbesuchten Websites in China.
 
Die Website ist in China nicht gesperrt und ist in chinesischen Zeichen auch Google-gebrandet. 265.com werde auf Google-Servern gehostet, dies unter der physischen Adresse einer Firma namens "Beijing Guxiang Information and Technology Co.".
 
Interessant ist aber primär, dass 265.com eine Suchfunktion für alle möglichen Inhalte bietet. Die Suchanfragen von Usern werden, da die Google-Suche in China nicht existiert, an den chinesisch kontrollierten Search Engine von Baidu weitergeleitet.
 
Blockt nun Baidu eine nicht genehme Suche, so registriert Google dies und nutzt sie als Grundlage der eigenen Blacklist. Tausende von zensierten Websites habe Google bereits aufgelistet und die chinesische Google-Version sei bereits in der Testphase.
 
"Chinesischen Nutzern dienen"
Das Ziel des Google-Projekts sei eine massgeschneiderte Mobile-App mit API für Drittparteien.
 
Ob diese für das Blacklisting von Sites und Suchen genutzt werden soll oder anderswie, ist 'The Intercept' nicht bekannt.
 
Google selbst hat sich bislang nicht geäussert, aber laut dem Bericht würden die Beteiligten zum Schweigen angehalten und seit der ersten Publikation der interne Dokumentenzugriff gesperrt.
 
2010 hatte Google unter anderem auf Drängen der US-Regierung und von Menschenrechtsorganisationen China verlassen. Seit Sundar Pichai bei Google ans Ruder kam, ist nun der Wunsch zur Rückkehr offensichtlich. Man wolle in China sein "und den chinesischen Nutzern dienen", sagte er schon Mitte 2016. Seither sind einzelne Google-Produkte in China auch zugänglich. Der Konzern hat zudem strategische Investitionen in chinesische Firmen getätigt, in Peking ein Forschungszentrum eröffnet und soll laut 'Bloomberg' unter anderem mit Tencent eine Partnerschaft für Cloud-Produkte anstreben.
 
Was Google bei seinen China-Plänen in die Quere kommen könnte, wäre der Handelskrieg zwischen den USA und China. Ein Indiz für mögliche Probleme könnte sein: Chinesische Staatsmedien haben Berichte über das Projekt "Dragonfly" dementiert. (Marcel Gamma)