Basel Stadt launcht erstes E-Patienten­dossier der Deutschschweiz

Das EPD ist live. Inside-it.ch hat nachgefragt zur Systemlandschaft und den Kosten.
 
In Basel ist der Startschuss für elektronische Patientendossiers (EPD) in der Deutschschweiz gefallen: Der Stadtkanton hat "sein" System namens myEPD nun offiziell eingeführt. Dieser fiel in drei Kliniken des Universitätsspital Basel (USB). Bis Ende 2019 soll das ganze USB damit arbeiten.
 
Laut dem baselstädtischen Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger spricht insbesondere Effizienz für die Einführung des EPD. Mit digital zugänglichen Daten etwa zu früheren Behandlungen, Impfungen, Allergien sowie einer Patientenverfügung könnten Behandlungen besser und sicherer werden, sagte er vor den Medien.
 
Beim Nordwestschweizer System namens "myEPD" soll die Kundschaft die Zugriffsrechte detailliert selber bestimmen. Für das Login setzt myEPD neben einem Passwort einmalig verwendbare SMS-Codes ein.
 
Und die Authentifikation des Patienten?
Um ein Dossier zu eröffnen und ein Login zu erhalten muss man sich aktuell noch vor Ort im USB am Schalter ausweisen und einen Schweizer Wohnort haben. In etwa 18 Monaten soll aber die neue, in Entwicklung befindliche SwissID zum Einsatz kommen, wie der eHealth-Projektleiter Martin Bruderer seitens USB gegenüber inside-it.ch erklärt. Erste Arbeiten dafür laufen, nachdem vor knapp einem Monat der Anbieter SwissSign durch einen Freihänder den Zuschlag bekam.
 
Aktuell dient Evita als "E-ID", ein Service der E-Health-Firma Swisscom Health. Sie werde aber abgelöst, da diese keine E-ID-Zertifizierung anstreben.
 
Für die Patienten ist das EPD freiwillig und sie können den Zugang zu jedem einzelnen Dokument definieren und dabei zwischen den drei Vertraulichkeitsstufen "normal zugänglich", "eingeschränkt zugänglich" und "geheim" wählen.
 
Teile der Ärzteschaft haben Bedenken zur Datensicherheit. Wegen deren Widerstands besteht für ambulante Leistungserbringer wie Apotheker, Hebammen, Chiropraktiker und eben Ärzte derzeit keine Pflicht zur EPD-Einführung. Grundsätzlich keinen Einblick sieht der Bund für Krankenkassen und Arbeitgeber vor.
 
Gesundheitsfachpersonen benötigen für den Datenzugriff eine eigene EPD-Identität und müssen weitere Auflagen erfüllen. Als ID-Provider fungiert HIN der Health Info Net. Allein das USB muss für myEPD rund 800 Personen schulen, wie Bruderer sagte.
 
Die EPD selbst bleiben laut Adrian Schmid, Leiter von eHealth Schweiz, völlig getrennt von Administration und Rechnungswesen des
Schematische Darstellung der Systemlandschaft von M. Bruderer/USB. Legende: GFP = Gesundheitsfachperson / HIP = Hilfsperson
Spitals.
 
Die Systemlandschaft grobschematisch
Details zum Basler Projekt zeigt eine Darstellung von Projektleiter Bruderer. Die EPD-Plattform basiert auf Swisscom Health Connect mit den Systemen Evita Patienten-Portal, dem Evita-Admin-Portal sowie EPD-MPI.
 
Die grobschematische und vereinfachte Darstellung der Systemlandschaft und der wichtigsten Prozesse zeigt, dass primär der Health Engine des Spitals direkt mit der EPD-Plattform Swisscom Health Connect kommuniziert. Eine weitere Schnittstelle zur Authentifikation bei der Swisscom-Plattform gebe es, die nicht in der Grafik verzeichnet sei, so Bruderer.
 
Seitens des Spitals sei die Lösung sehr tief integriert. Dies sei auch der einzig sinnvolle Weg beim EPD, präzisiert er zu inside-it.ch. Ein Ausdruck des Integrationsgrades sei, dass die USB-Angestellten im Rahmen einer sehr granularen Rollen- und Rechteverwaltung einen eigenen EPD-Viewer des Spitals am Computer für die Arbeit mit aktuellen Daten nutzen können. Die Nutzung der gewohnten Umgebung und mit möglichst wenig Aufwand vom Daten-Upload bis zur Analyse seien wichtige Erfolgsfaktoren für das EPD.
 
Er fügt hinzu, dass man ein drei Viertel Jahr für das Testing der nun gelaunchten EPD-Lösung gebraucht habe.
 
Punkto Verantwortung ändert sich laut Gesundheitsdirektor Engelberger nichts; für Behandelnde sei das EPD eine zusätzliche Informationsquelle.
 
Zu den Kosten sagt Burkard Frey, Präsident Trägerverein eHealth Nordwestschweiz, dass diese aktuell 3,1 Millionen Franken betragen. 800'000 Franken sind für die Plattform angefallen, hinzu kommen 1,2 Millionen Franken für Löhne und 200'000 Franken pro Jahr für den Aufbau während fünf Jahren. Total sei bis 2020 mit rund fünf Millionen Franken zu rechnen, so Frey auf Anfrage.
 
Alle Schweizer Spitäler müssen sich gemäss dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier bis 2020 am EPD-Netz beteiligen. (Marcel Gamma/mit Material von sda)