Ruf: Risiken und Neben­wirkungen

Kommentar: Die Übernahme von Ruf Informatik durch Axians IT&T ist logisch, birgt aber grosse Risiken.
 
Übernahmen von Software-Herstellern sind heikel. Kunden mögen sie nicht, denn sie fürchten, zu einer Migration mit all den Ungewissheiten und Kosten gezwungen zu werden. Und die kostbaren Mitarbeiter, besonders die gesuchten Entwickler und Verkäufer, haben Angst davor, "ihr Baby" könnte zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, abgelöst werden oder sie könnten im Job-Roulette als Verlierer dastehen.
 
Andererseits hat die Übernahme von Ruf Informatik durch die Vinci-Tochter Axians durchaus eine industrielle Logik. Ruf kann nach der gescheiterten Entwicklung einer neuen Lösung seinen Kunden einen Weg in die Zukunft anbieten. Und Axians kommt zu einem etablierten Player im Outsourcing-Markt, im Markt der Kirchen- und Heimlösungen. Und zu potentiell ganz vielen Kunden für Infoma Newsystem.
 
Signifikante Gefahren
Die Übernahme ist allerdings risikokreich.
 
Erstens: Microsoft setzt für die Zukunft eindeutig nicht auf NAV, sondern auf AX als Grundlage für die Dynamics Cloud-Lösungen. Der Support für NAV hat nachgelassen, sagen mir Microsoft-Partner. Ist es ratsam, alle Karten auf NAV zu setzen?
 
Zweitens: Ruf muss Mitarbeitenden und Partnern eine interessante Zukunft bieten. Ist es interessant, eine Software, die zwar noch gewartet, aber nicht mehr neu entwickelt wird, zu betreuen und zu verkaufen?
 
Drittens: Was ist mit dem Axians IT&T Grosskunden Abraxas? Abraxas (VRSG) hat sich einst für IT&T entschieden, und dabei Protest von Abacus und … (unter der Hand) Ruf Informatik ausgelöst. Abraxas und Abacus sind nun ja wieder Freunde, während Axians sich nun ausgerechnet den Konkurrenten Ruf Informatik als Schwester angelacht hat.
 
Erstaunlich ist, dass sich mit Axians IT&T und Ruf Informatik zwei ehemalige Erzfeinde gefunden haben. Erinnern Sie sich an den Knatsch um die Luzerner IGGI und die Migration auf Newsystem? Offenbar ist der Konsolidierungsdruck in der Public-Software-Szene so gross, dass man die Kriegsbeile ganz tief vergräbt. (Christoph Hugenschmidt)