Das Dilemma mit den App-Store-Gebühren

Es ist noch nicht lange her, dass sich beispielsweise Apple brüstete, seit der Einführung des App-Stores ein Milliarden-schweres Business aufgebaut zu haben. Und ja, die Apps von Millionen unabhängiger Entwickler für iPhones und Android-Smartphones bringen den App-Store-Betreibern auch selbst lukrative Einnahmen. Denn für die Nutzung der Marktplätzes sind bis zu 30 Prozent der Einnahmen abzuliefern, die von den Nutzern an die Entwickler gezahlt werden.
 
Viele Entwickler fänden die Gebühren zu hoch, nicht zuletzt auch deshalb, weil Apple und Google den Geldfluss zwischen den Urhebern und Verbrauchern hemmen, schreibt nun 'Bloomberg'. Es herrsche Unzufriedenheit, zumal die App-Store-Betreiber sehr aggressiv sicherstellen würden, dass ihre Abrechnungen nicht umgangen werden können, lässt sich Alex Austin, Mitbegründer der Mobilfunkfirma Branch zitieren. Es existierten ganze Teams, die diese Geldströme kontrollieren.
 
Zwar seien vor rund zwei Jahren die Gebühren teilweise auf 15 Prozent gesenkt worden. Doch wenn die App-Store-Provisionen auf zwischen fünf und 15 Prozent reduziert würden, hätte das erheblich Auswirkungen auf die Gewinne der Unternehmen. Apple müsste mit Einbussen von bis zu 21 Prozent rechnen und Google könnte bis zu 20 Prozent verlieren. Das zu erwarten, darf man wohl ergänzen, dürfte wenig realistisch sein.
 
Gleichwohl gibt es immer wieder Angriffe auf die App-Store-Gebühren. Neuerdings, heisst es in dem Bericht, wolle Netflix diesen Distributionsweg umgehen. Dort sei soeben bekannt gemacht worden, dass eine Möglichkeit getestet werde, Apple-App-Abos zu umgehen, indem die Nutzer auf die eigene Website umgeleitet werden. Weiter wird auf die Videospielindustrie verwiesen, die in diesem Jahr ebenfalls begonnen habe, App-Store-Gebühren zu vermeiden. Allerdings habe Apple etwa von Valve's Steam, dem grösste Distributor von Videospielen für PCs, die Veröffentlichung einer kostenlosen iPhone-App blockiert und kurz darauf auch seine App-Prüfungsvorgaben so angepasst, dass alles verboten ist, was wie ein App-Store in einer App aussieht.
 
Genannt wird zudem Epic Games, Hersteller des erfolgreichen Videospiels Fortnite. Auch dort wolle man den App-Store von Google verlassen. Die 30-prozentige App-Store-Provision sei ein "hoher Preis" in einer Welt, in der Publisher die Kosten für Entwicklung, Betrieb und Support ihrer Spiele tragen müssten, wird argumentiert. Distributoren als Zwischeninstanz würden nicht mehr benötigt.
 
Am Ende lässt 'Bloomberg' dann aber Stimmen zu Wort kommen, die die Probleme der Entwickler beschreiben. Demnach sei es idiotisch, die leistungsstarken Vertriebskanäle der Riesen zu überspringen. Das Dilemma: Zwar wollen die meisten Entwickler die App-Stores nutzen, selbst aber nichts an Apple und Google bezahlen. Dabei sei es kaum eine Alternative, selbständig die Chancen im Internet zu nutzen, auch wenn dafür die benötigten Softwaretools bereit stehen. Denn kleine aufstrebende Unternehmen hätten im Web keine reale Chance Abos zu verkaufen, wird Austin zitiert. Es führe einfach kein Weg daran vorbei, dass die App-Store-Gebührenbarriere von Apple und Google abgebaut oder zumindest stark reduziert werden, so das Fazit von Austin. (vri)