Das riesige Bundes-IT-Projekt ASAL verzögert sich weiter

Der Terminplan von ASALfutur der Arbeitslosenversicherung musste geändert werden. Das zuständige Seco erklärt warum.
 
Unter dem Namen ASALfutur will das Seco eine Lösung für die Auszahlung von Arbeitslosengeldern entwickeln. Und das Amt steht unter Erfolgszwang und der Zeitdruck ist beträchtlich: Das Vorgängerprojekt namens ASALneu musste nämlich im August 2015 abgebrochen werden.
 
Mit ASALneu wollte man die Uralt-Lösung mehr oder minder identisch auf neuer Technologie umsetzen. Das Seco errechnete dabei einen finanziellen Schaden von 350'000 Franken und prognostizierte, man könne Resultate des gescheiterten Projekts im Wert von 3,75 Millionen Franken mindestens zum Teil wiederverwenden.
 
Diese Hoffnungen und Rechnungen haben sich zerschlagen, steht im neu erschienenen Prüfbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zur Governance bei der Arbeitslosenversicherung. Zwar habe man Ergebnisse für die Ausschreibung des Nachfolgers verwenden können, aber weniger ASALneu-Ergebnisse rezykliert als gedacht.
 
"Leider" merkt die EFK an.
 
Hat das Seco dies errechnet? Wieviel höher ist der Verlust dadurch? Und warum kam es zu dieser Neubewertung? "Nach dem Abbruch des Vorgänger-Projektes bereitete die Ausgleichsstelle der ALV (SECO-TC) im Jahr 2016 das Projekt ASALfutur mit einer kompletten Neuorientierung vor. Die Erfahrungen aus dem Projekt ASALneu, aus vergleichbaren Projekten inner- und ausserhalb der Verwaltung und die Empfehlungen der EFK sind alle in das neue Projekt eingeflossen. Diverse Ergebnisse aus dem Projekt ASALneu wurden in verschiedener Form im Projekt ASALfutur wiederverwendet – eine 1:1-Vergleichbarkeit ist aus verschiedenen Gründen jedoch nicht möglich. Das Seco hat keine Neubewertung der Ergebnisse von ASALneu vorgenommen", antwortet Seco-Sprecher Fabian Maienfisch auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Wenn ASALneu damit abgeschlossen und vergessen gehen soll, dann kann man einen Blick auf das Nachfolge-Projekt ASALfutur werfen. Die EFK, die zwischen Oktober und Dezember 2017 den Status des Projekts überprüfte, erachtete die Verzögerung im Bericht als absehbar.
 
Der Zeitplan ist tatsächlich obsolet, dies bestätigt auch Maienfisch: "Nach der abgeschlossenen WTO-Ausschreibung wurde das Projekt im November 2017 durch die Aufsichtskommission des ALV-Fonds termingerecht freigegeben. Eine Einsprache gegen den Zuschlag führte indes zu einer Verzögerung von sechs Monaten. Die ursprüngliche Termin-Planung musste als Folge davon angepasst werden."
 
In der Tat wurde Beschwerde seitens des einzigen Verlierers der Ausschreibung eingereicht. Diese wurde inzwischen vom Gericht abgelehnt.
 
Wann ist denn der neue Launchtermin? "Die Einführung verschiebt sich deshalb voraussichtlich in das Jahr 2021", so der Seco-Sprecher vorsichtig. Statt 2015 wie initial geplant wird es also 2021 und statt 30 Millionen Franken wie bei ASALneu kolportiert, könnte bei Nutzung aller Optionen das Projekt weit mehr als 100 Millionen Franken kosten.
 
Bis mindestens 2021 gilt laut einem ASALfutur-Dokument, dass "Ausbauten nur noch mit Einschränkungen möglich sind, viele nicht umgesetzte Anforderungen existieren sowie die Ziele der ALV mit der aktuellen Lösung nicht mehr erreicht werden können".
 
Seco ist optimistisch
Initial war zudem geplant, bis Ende Juni 2018 einen Proof of Concept (PoC) abzuschliessen, der über das weitere Schicksal von ASALfutur entscheiden soll. Auch dieser Termin ist mit obiger Begründung für das Seco hinfällig geworden. "Es ist geplant, den Proof of Concept bis Ende Jahr abzuschliessen", so der Seco-Sprecher.
 
Wer entscheidet, ob der PoC – die Ziellösung via einen Prototypen von ausgewählten Kernprozessen validieren – erfolgreich ist oder nicht? "Für dessen Abnahme sind klare Kriterien definiert – die Abnahme erfolgt durch den Projektauftraggeber und den Projektausschuss auf Basis einer Empfehlung der Prüf- und Reviewteams," sagt das Seco.
 
Es gab schon vor der Ausschreibung PoC und Prototypen für ASALfutur. Inwiefern konnten diese Arbeiten verwendet oder nicht verwendet werden? Maienberg antwortet mit Bezug auf HERMES 5.1: "Die in der Phase Initialisierung und Konzept gewonnenen Erkenntnisse aus den erarbeiteten Prototypen sind in das Pflichtenheft und in die Systemanforderungen eingeflossen. Der bisherige Projektverlauf bestätigt die Machbarkeit der in der Phase Konzept definierten Architektur", antwortet Maienfisch.
 
Aktuell gilt für ASALfutur laut Seco-Dokumentation: "Falls die Ziele des POCs nicht erreicht werden oder die Qualität der Detailspezifikationen ungenügend ist, wird das Projekt gestoppt und es werden keine Optionen abgerufen. Auf diese Weise werden die Risiken minimiert." (Marcel Gamma)