Künstliche Intelligenz ist die neue Dampf­maschine

Laut McKinsey generiert KI bis 2030 im Schnitt ein jährliches Wachstum der globalen Wirtschaft von 1,2 Prozent. Mehr als Dampfmaschine und frühe Informatik zusammen.
 
Mit der Anwendung von künstlicher Intelligenz steige das weltweite Bruttoinlandprodukt jährlich im Schnitt um 1,2 Prozent. Damit generiere KI bis 2030 eine zusätzliche Bruttowertschöpfung in Höhe von 13 Billionen US-Dollar. Dies zumindest behauptet das McKinsey Global Institute (MGI), die Forschungsabteilung des Consultingkonzerns McKinsey. Die Berater relativieren im Bericht sogleich, dass es sich bei der Prognose bezüglich der Folgen disruptiver Technologien immer um eine "hochspekulative Übung" handle und die vielen Faktoren unterschiedlich gut vorhersehbar seien.
 
Die Wissenschafter halten fest, dass das Wachstum wohl nicht linear erfolgen werde, sondern über die Zeit mutmasslich an Geschwindigkeit zunehme. Vorerst würden Kosten, die auch für Ausbildung und Implementierung von KI-Technologien anfallen, die Entwicklung bremsen. Dies würde aber längerfristig durch die Wirkungen des Wettbewerbs und die Verbesserung komplementärer Fähigkeiten wett gemacht.
 
Die Forscher haben für die Studie rund 3000 Unternehmen aus 14 Branchen befragt und auf Grundlage der erhobenen Zahlen eine Simulation durchgeführt. Rund 70 Prozent der Firmen soll bis 2030 mindestens eine der untersuchten KI-Technologien einsetzen: digitale Assistenten, Prozessautomatisierung mit Robotern, Bild- und Spracherkennung oder maschinelles Lernen. Weniger als die Hälfte werde bis dahin Lösungen in allen fünf Kategorien im Einsatz haben.
 
Mit KI zum Konkurrenz-Gewinner
Die Wirtschaftsberater erwarten von künstlicher Intelligenz jährlich praktisch gleich viel Schub für die Weltwirtschaft wie damals von der Dampfmaschine (0,3 Prozent), dem Robotereinsatz in den 90ern (0,4 Prozent) und der Verbreitung von Informatik in den 2000ern (0,6 Prozent) zusammen. Die Segnungen der künstlichen Intelligenz würde sich aber nicht gleichmässig unter den Erdenbürgern, -Ländern und -Firmen verteilen, schreibt das MGI.
 
So würden ohnehin schon führende Firmen, Sektoren und Länder vor allem in den weit entwickelten ökonomischen Regionen ihren Vorsprung noch ausbauen können.
 
Als Gründe nennt MGI abschwächende Wachstumszahlen in den entwickelten Ländern, die zur Adaption von KI drängten, um dies mittels Produktivitätswachstum auszugleichen. Auch seien die sogenannten Entwicklungsländer mit der Anpassung ihrer Wirtschaft an die führenden Nationen beschäftigt und entsprechend weniger auf KI fokussiert. Dies werde dadurch verstärkt, dass in den entwickelten Ländern die Lohnkosten häufig höher seien als anderswo und so die Unternehmen stärker zur Ersetzung von Arbeitskraft durch Maschinen gedrängt würden.
 
Als einzigen klaren Aufsteiger führen die Forscher China an, das eine nationale Strategie in Sachen KI entwickelt hat und massiv in den Bereich investieren will. Es ist dann auch das Reich der Mitte, das neben den USA klar die Nase vorne hat. Die meisten europäischen Länder folgen im starken Mittelfeld – die Schweiz ist wohl auch hier zu verorten. Allerdings wird die helvetische Republik in der Auswertung im Gegensatz etwa zu Island, Kambodscha oder Neuseeland nicht aufgeführt. Die weit abgeschlagenen Länder sind wenig erstaunlich in Asien, Afrika und Südamerika, wobei sich hier auch die beiden ärmsten Länder der EU – Bulgarien und Griechenland – finden.
 
Bis zur zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts, werde es Player geben, die ihren Konkurrenten deutlich voraus sind. Bis 2030 würden sich dann klare Sieger und Verlierer unter den Ländern und Unternehmen herauskristallisieren. Die Firmen werden von McKinsey nicht namentlich aufgeführt.
 
Mit KI zu mehr Umsatz
MGI hat eine klare Botschaft an die Unternehmen dieser Welt: Wer KI bis 2030 tief in seinem Unternehmen integriere, werde eine Verdoppelung seines Cash Flows sehen, die übrigen würden bis dahin teilweise rund 20 Prozent ihres Umsatzes einbüssen.
 
So stellen sich dann die Vorteile von KI auch hauptsächlich als Vorteile im Konkurrenzkampf heraus. Für die Berechnung von absoluten BIP-Zahlen sind im Bericht keine Grundlagen zu finden, es wäre wohl erstmal zu erklären, welche Bereiche warum produktiv sind und darum zum Welt-BIP beitragen.
 
Das Papier enthält wie bei solchen Untersuchungen üblich auch noch ein paar Gedanken zu gesellschaftlichen Entwicklungen und der Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Die Resultate wurden aber schon in einer im Mai publizierten Studie von MGI zu grossen Teilen veröffentlicht.
 
Die Studie kann auf der Website von McKinsey gratis heruntergeladen werden (PDF). (ts)