Google zu Green, Microsoft zu E-Shelter, ... und AWS?

Die Spaten harren der Franz-Grüter-Show. Bild: hc
Green-VRP Franz Grüter: "Die Karten werden neu gemischt". Der Eintritt der Hyperscaler in den Schweizer ICT-Markt löst eine weitere Investitionswelle aus.
 
Alles war bereit heute Morgen für die grosse Franz-Grüter-Show. Motto: "Wir bauen ein neues Rechenzentrum". Die Stehtische, an denen die Gäste nach getanener Grundsteinlegung Grillhähnchen und Bratwürste vertilgen, sind mit herzigen Spielzeug-Lastwägeli und -Arbeitern geschmückt und die Parkplätze für die Herren Regierungsräte namentlich angeschrieben.
 
70 Millionen Franken investiert Green in den Bau eines dritten Rechenzentrums am Hauptsitz in Lupfig. Das RZ wird auch für einen neuen Grosskunden gebaut. Wer es ist, wollte Grüter nicht sagen, dabei pfeiffen es die Spatzen von den Dächern: Google wird aus dem Green-RZ Cloud-Dienste anbieten. Das RZ soll ab 1. Juli 2019 den Kunden für den Innenausbau zur Verfügung stehen.
 
Wohin geht AWS?
Schon diesen März hat Microsoft Schweiz angekündigt, eigene Cloud-Infrastrukturen in der Schweiz aufzubauen. Microsoft wird vielleicht schon gegen Ende Jahr oder spätestens im ersten Halbjahr 2019 den Kunden anbieten können, Daten ausschliesslich in der Schweiz vorzuhalten. Genau wie Google äussert sich auch Microsoft nicht zu den Standorten der geplanten Cloud-Infrastrukturen. Gut informierte Leute aus der Branche sagen, Microsoft werde seine Clouds in der Deutschschweiz bei E-Shelter, in der Romandie bei Safehost bauen.
 
Auch die Cloud-Tochter von Amazon, AWS, wird in der Schweiz eine eigene, physische Cloud aufbauen, weiss man in der Szene. Der Entscheid für einen Standort ist aber noch nicht gefallen, heisst es. "Die AWS-Leute sprechen mit den Anbietern", heisst es da und dort. Zitieren lassen will sich niemand. Grund: Die "Hyperscaler", wie man die Top-Cloud-Anbieter nennt, verpflichten die RZ-Betreiber immer zu strikter Vertraulichkeit.
 
Gewaltige Investitionen
"Die Karten werden neu gemischt", sagte heute Morgen Green-VRP Franz Grüter, an einer Medienkonferenz anlässlich der Grundsteinlegung in Lupfig. Alle Hyperscaler würden eigene Infrastrukturen in der Schweiz aufbauen. Man kann also erwarten, dass auch Oracle und Alibaba eigene Strukturen in der Schweiz aufbauen werden.
 
Die Investitionen
Wachstum, Wachstum, Wachstum. Bild: hc
sind gewaltig. In den letzten acht Jahren ist gemäss Grüter mindestens eine Milliarde Franken, wenn nicht gar eineinhalb Milliarden, in Rechenzentren investiert worden. Es werde in diesem Stile weitergehen, so Grüter.
 
"Das erste High-Density Datacenter der Schweiz"
Das dritte Green-Datacenter in Lupfig werde das "erste High-Density-DC der Schweiz, das die Anforderungen der Hyperscaler erfülle", heisst es in einer Folie, die Projektleiter Reto Meier heute in Lupfig zeigte.
 
Wie Meier im Gespräch mit inside-channels.ch sagt, wird Green zwei Stromzuführungen mit je einer Leistung von 40 Megawatt aus zwei verschiedenen Unterwerken ins RZ legen. Im RZ selbst wird es getrennt geführte Linien von je zwei MW geben, die man asynchron schalten kann. Das RZ sollte also den Ausfall eines Unterwerks eines Stromlieferanten überstehen. Man wird bis zu 25 Kilowatt in einem ein Rack leisten können. Dies sei dreieinhalb mehr Leistung, als man es bisher in der Schweiz kannte, so Green.ch in einer Mitteilung.
 
Dazu kommt die Notstromversorgung zuerst mit Batterien (USV) und danach mit Dieselgeneratoren. Das RZ wird nicht grundsätzlich anders gebaut, als man es kennt. Man verwendet Kaltgänge und Luftkühlung. Der Unterschied ist, dass alle Komponenten des Rechenzentrums akribisch und teilweise genau nach den Vorgaben des Grosskunden (Google) optimiert und getestet sind.
 
Das RZ soll einen PUE-Wert von 1,19 erzielen. Mit dem Wert gibt man an, wieviel Energie in einem Rechenzentrum für die Server selbst und wieviel für die Umsysteme (vor allem Kühlung) verwendet wird. Ein PUE-Wert von 1,19 ist im nationalen wie internationalen Vergleich tief. (hc)