DSAG: Leonardo braucht SAP-"Heimvorteil"

Was SAP tun sollte, damit SAPs Leonardo-Portfolio für Anwender interessant wird.
 
SAPs Leonardo ist weiterhin auch für viele SAP-Anwender ein "unbekanntes Wesen". Anfang Jahr hat eine Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe ergeben, dass im deutschsprachigen Raum immer noch 40 Prozent der SAP-Kunden das Leonardo-Portfolio gar nicht kennen oder es "nicht verstanden" haben. In der Schweiz waren es 34 Prozent.
 
Nun hat sich die DSAG anlässlich ihres bevorstehenden Jahreskongresses Gedanken darüber gemacht, was SAP tun müsste, damit das Leonardo-Portfolio für Anwender interessant wird. Unter dem Übernamen Leonardo fasst SAP Tools, Methoden und (Beratungs-)Services in Bereichen wie Machine Learning, künstliche Intelligenz, Automatisierung, Blockchain und IoT zusammen. Insgesamt soll Leonardo eine Plattform sein, welche es Kunden erlaubt, individuelle, innovative Lösungen zu realisieren, die sich in SAP-Umgebungen leicht integrieren lassen.
 
Genau hier scheint die DSAG aber noch Nachholbedarf zu sehen. Denn SAP, mahnt sie, sollte erst noch nachweisen, dass es tatsächlich schneller, besser und kostengünstiger wäre, mit Leonardo mit den etablierten SAP-Produkten integrierte Lösungen zu realisieren, als mit den vielen alternativen Angeboten, die bereits vor Leonardo auf dem Markt waren. Denn SAP, so die DSAG, sei im Vergleich zu Amazon, Google, Microsoft und diversen Nischenanbietern in diesem Bereich ein Nachzügler. Daher sei die tiefere und einfachere Integration von Leonardo-Lösungen in bestehende SAP-Landschaften ein unverzichtbares Alleinstellungsmerkmal.
 
Ausserdem – dies ist eine traditionelle DSAG-Forderung für eigentlich alle SAP-Produkte – müsse der ERP-Riese ein transparentes und flexibles Lizenz- bzw. Verbrauchsmodell für die Tools schaffen. Und, hier kommt wieder das "unbekannte Wesen" ins Spiel, klarer und einfacher kommunizieren, was Leonardo eigentlich ist.
 
Integration nicht banal, viele Kunden noch nicht bereit
Leonardo habe im Prinzip das Potential, glaubt die DSAG, ein "intelligentes ERP für differenzierende Prozesse" zu ermöglichen und Unternehmen zu helfen, die Digitalisierung – insbesondere, wenn es um neue Geschäftsmodelle geht – einfach zu realisieren.
 
Aber die Realität ist aus Sicht der DSAG noch etwas anders: Auch wenn die von Leonardo anvisierten Themen wie Machine Learning, künstliche Intelligenz oder Blockchain "nachvollziehbar" seien, liessen sie sich nicht ohne weiteres in bestehende Prozess- und IT-Landschaften integrieren.
 
Ausserdem seien auch die Business- und IT-Architekturen der meisten Kunden noch nicht so aufgestellt, dass sie derartige Projekte schnell realisieren und tatsächlich "Netzwerke" oder Plattformen zum Austausch nutzen könnten. Hier brauche es ein Umdenken. Eine S/4HANA-Migration könne aber "ein erster Konsolidierungsschritt" in diese Richtung sein. (hjm)