"Die Chinesen kommen": Ex-Google-CEO Schmidt bangt um's Internet

Eric Schmidt, ehemaliger Google-Chef und Tausendsassa der ICT-Szene, hat dem Internet eine düstere Zukunft vorausgesagt: "Ich denke, das wahrscheinlichste Szenario ist nicht die Zersplitterung, sondern die Zweiteilung in ein von China geführtes Internet und ein von den USA geführtes, nicht-chinesisches Internet", so der Milliardär an einer Veranstaltung der Venturecapital-Gesellschaft Village Global VC. Als Zeithorizont für seine Prognose nannte Schmidt zehn Jahre, wie 'CNBC' berichtet.
 
Nach einer kleinen Lobpreisung chinesischer Produkte und Services sowie der Wirtschaftsleistung im Internet, verwies Schmidt auch auf die Gefahren einer staatlichen Gängelung und Überwachung durch das zentralistische Reich der Mitte. Dabei verwies er etwa auf das Projekt "One Belt, one Road", ein milliardenschweres Handels- und Infrastrukturnetz, das China mit über 60 Ländern aus Afrika, Asien und Europa aufbaut und über 60 Prozent der Weltbevölkerung betrifft. Die angeschlossenen Länder könnten auf die chinesische Infrastruktur setzen und dabei Einbussen bei der "Freiheit" in Kauf nehmen, fürchtet Schmidt. (ts)

Unser Kommentar:

Schmidt, Mitglied der US-Demokraten, verkündet diese Botschaft in einer Zeit in der sich der Handelskonflikts zwischen den USA und China zuspitzt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen Konflikt der Verteilung von Geld zwischen der "Werkbank der Welt" und dem mit Abstand grössten Nettoschuldner der Welt. Es geht auch darum, wer von beiden bei den Zukunftstechnologien die Nase vorne hat, wie etwa das gigantische Investitionsprojekt Chinas in Sachen KI eindrücklich belegt.
 
Vor diesem Hintergrund kriegen die Äusserungen Schmidts eine politische Färbung, wenn gleich die Warnung vor Chinas Zugriff ernst zu nehmen ist. Der ehemalige Konzern des Informatikers hat indes offenbar eine – wenn wohl nicht endgültige – Entscheidung in der Sache getroffen: Gerüchten zufolge soll Google unter dem Namen "Dragonfly" eine zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt entwickeln, die Suchanfragen mit Handynummern von Nutzern verknüpfe.
 
Das wäre dann vermutlich in der chinesischen Version des Internets der Modus Operandi und fiele unter den Warnhinweis von Schmidt. Zum amerikanischen Arm des künftig gespaltenen Netzes äusserte er sich indes nicht. Eine Äusserung aus seinen Amtsjahren bei Google spricht aber Bände. Damals, im Jahre 2009, sagte er gegenüber 'CNBC' bezüglich seines Datenschutzverständnisses und dem Internetverhalten: "Wenn Sie möchten, dass jemand etwas [über Sie] nicht erfährt, dann sollten Sie es [im Internet] besser überhaupt nicht tun." (ts)