Zürich: "Die Politik steht hinter dem neuen Informatik-Amt"

Im Gebäude Neumühle in der Stadt Zürich ist das AFI beheimatet. (Bild: Baudirektion Kanton Zürich)
Die IKT-Strategie des Kantons Zürich steht. August Danz vom neuen Amt für Informatik erklärt, warum er glaubt, dass die Umsetzung diesmal gelingen wird.
 
Eine externe Prüfung und die GPK haben die Informatikstrategie, welche der Kanton Zürich seit 2008 verfolgte, Anfang 2017 für gescheitert erklärt. Letzten Mai hat der Regierungsrat eine neue Strategie verabschiedet. Diese sieht unter anderem ein Strategiegremium namens "Steuerung Digitale Verwaltung und IKT" (SDI) vor, in welchem drei Regierungsräte vertreten sind. Das Programm zu Umsetzung der IKT-Strategie liegt in der Verantwortung der Finanzdirektion. Ein neues "Amt für Informatik" (AFI) ist für die sogenannte "Grundversorgung" zuständig. Bei der Staatskanzlei, der zentralen Stabsstelle des Regierungsrates, ist die Digitalisierungseinheit angesiedelt.
 
Im AFI hat Anfang September 2018 Hansruedi Born als AFI-Chef das operative Geschäft übernommen. Für die sogenannten Programme zur Umsetzung der IKT-Strategie ist August Danz verantwortlich. Im Gespräch mit inside-it.ch zeigt Danz auf, was sich in den nächsten vier Jahren ändern soll.
 
inside-it.ch: Erklären Sie doch vorab kurz die Aufgaben des AFI.
August Danz: Beim AFI ist neu die IKT-Grundversorgung zentralisiert. Das heisst, bei den sieben Direktionen bleibt weiterhin die Verantwortung für die Fachapplikationen. Bei der Staatskanzlei liegen die Digitalisierungsvorhaben, 28 sogenannte Impulsprogramme. Also existieren unabhängig voneinander Umsetzungsprojekte im Bereich IKT, die vom AFI verantwortet werden sowie Digitalisierungsvorhaben, für welche die Staatskanzlei zuständig ist. Wobei natürlich einige Verbindungsstellen bestehen, die bilateral aufgegleist wurden bzw. werden müssen.
 
Warum eigentlich die Aufteilung in Grundversorgung und Fachapplikationen?
August Danz: Die Grundfrage war, wie schaffen wir die Digitalisierung? Das war einer der Gründe für die Zentralisierung. Bei der Ausarbeitung der Strategie sind wir davon ausgegangen, dass die Kompetenz über eine Vielzahl von Fachapplikationen weiter in den Direktionen bleiben soll. Die Nähe der Applikationen zum Business war für den Entscheid ausschlaggebend. Sie zu übernehmen hätte das AFI wohl auch überfordert, zumal es teilweise um sehr spezielle Anwendungen geht.
 
Allerdings soll der technische Betrieb dieser Fachapplikationen nun zentral im AFI laufen. SAP ist eine der wenigen Anwendungen, die bereits heute zentral betreut und betrieben werden. Für die Zentralisierungen gab es schon Vorarbeiten, weil bereits in den meisten Direktionen die Grundversorgung zentralisiert war. Im AFI sollen neu die Arbeitsplätze, der Service-Desk für den First-Level-Support, die Daten- und Kollaborationsplattform, das Identitäts- und Zugriffsmanagement, Unified Communications, Netzwerk und nicht zuletzt die Rechenzentrum-Services zentralisiert werden.

Eine der grossen Herausforderungen, die derzeit anstehen, ist eine klare Trennung zwischen Grundversorgung und Fachapplikationen zu erreichen. Hier sind erste Absprachen schon geschehen, doch noch fehlt die Grenzziehung. Es geht aber nicht nur darum, Verbindlichkeit zu schaffen, sondern es muss beispielsweise auch ein einheitliches Verrechnungsmodell gefunden werden.
 
Was erreichen Sie mit dieser Organisation?
August Danz: Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass wir das, was bisher schon funktioniert hat, durch die Zentralisierung effizienter gestalten können. Ausserdem erwarten wir, Transparenz schaffen zu können, indem wir sichtbar machen, was an Hard- und Software vorhanden ist. Zudem müssen nun klare Strukturen geschaffen werden, die es beispielsweise erlauben, gleiche Messverfahren in allen Direktionen anzuwenden. Des Weiteren wollen wir Durchgängigkeit bei den Daten erreichen. Deshalb müssen wir klären, wo welche Daten liegen. Das ist nicht zuletzt für die in den Impulsprogrammen angestrebten Digitalisierungen wichtig.
 
Nennen Sie doch Beispiele für Umsetzungen im AFI.
August Danz: Wir haben den Auftrag die Grundversorgung zentral verfügbar zu machen, was natürlich auch den ganzen Bereich Sicherheit umfasst. Wahrscheinlich werden wir dazu ein Security Operations Center aufbauen. Ausserdem streben wir eine Zusammenführung der Plattformen und der Rechenzentren an. Zukünftig soll in allen Direktionen auf möglicherweise nur noch einem oder zumindest nur ganz wenigen Betriebssystemen gearbeitet werden. Zudem wollen wir einheitliche Arbeitsplätze schaffen, das Identitäts- und Berechtigungsmanagement vereinheitlichen, UCC einführen und das Netzwerk modernisieren. Hinzu kommt der Aufbau eines Controllings, das ebenfalls einiges an Ressourcen brauchen wird. Damit sind wohl die grössten Brocken genannt, die wir als erstes zu bewältigen haben.
 
Was heisst die zentralisierte Umsetzung für Ihren Job? Sie kennen die Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ) als Vorläufer. Vieles, was das AFI jetzt machen will, wurde beim OIZ-Chef Daniel Heinzmann immer wieder kritisiert. Werden Sie sich nicht extrem unbeliebt machen müssen?
August Danz: Die wichtigsten und umstrittenen Grundsatzentscheide, insbesondere den Entscheid zur Zentralisierung der IKT-Grundversorgung, hat der Regierungsrat mit der Strategie beschlossen. Damit haben wir eine gute Ausgangsbasis für das Umsetzungsprogramm. Trotzdem wird die Umsetzung eine Herausforderung für alle betroffenen Stellen und auch für mich persönlich. Der Finanzdirektor hat mich wohl auch wegen meiner langjährigen Erfahrung im Kanton als Programmleiter eingesetzt.
 
Die Hoffnung besteht wohl auch, dass beispielsweise die Konstruktionsfehler von früher nicht wiederholt werden. Ich hoffe jedenfalls, dass ich mich, auch wenn schwierige Situationen und Entscheidungen anstehen, nicht leicht aus der Ruhe bringen lasse. Doch auch organisatorisch wurde vorgesorgt, indem die Umsetzung direkt dem Finanzdirektor unterstellt wurde. Heute ist zudem klar, dass die vormals grossen Freiheiten der Direktionen und das Prinzip der Einstimmigkeit bei Entscheidungen Konstruktionsfehler der alten Strategie waren und nicht funktionieren konnten. Das sind Fehler, die man jetzt sicher nicht wiederholen wird. Es ist also durchaus schon ein grosser Wandel, wenn nun nicht mehr wie früher mehr oder minder Projekte auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner im Fokus stehen. Das AFI ist ja ganz im Gegenteil dazu eine Dauereinrichtung.
 
Steht denn die Politik hinter Ihnen, zumal schon bisher gerade die Umsetzung stark in der Kritik stand?
August Danz: Das ist sicher so, sonst hätte ich den Job nicht angenommen. Der Kantonsrat, der Regierungsrat und vor allem der Finanzdirektor wollen, dass die Umsetzung gelingt und unterstützen meine Arbeit. Genauso ist dem Strategiegremium klar, dass die Umsetzung der neuen Strategie anspruchsvoll ist, zumal immer wieder ungeklärte Situationen auftreten werden. Das SDI ist fest in die Umsetzung eigebunden. Kurz gesagt, bin ich sicher, dass die Politik meine Arbeit mitträgt. Zudem sind die Strukturen schon in der IKT-Strategie so aufgegleist worden, dass sie tragfähig sind. Der Kampf um die Zentralisierung ist damals schon geführt worden. Mit diesem Entscheid des Regierungsrats ist der Auftrag definiert und der ist sehr klar. Die Fakten sind geschaffen, das Fundament gelegt. Jetzt geht es darum, den Bau hochzuziehen.
 
Gibt es schon konkrete Beispiele ihrer Arbeit?
August Danz: Ja, die ganze IKT-Grundversorgung der Baudirektion wurde Mitte 2018 bereits ins AFI übertragen. Da haben wir gezeigt, dass das gelingen kann. Als wir im Januar gestartet sind, waren es noch gut 40 Stellen, jetzt sind wir gut 60. Die IT-Fachleute der Baudirektion sind nun bei uns. Die Baudirektion hat diesem frühen Transformationsschritt übrigens nur zugestimmt, weil es ihr wichtig war, möglichst früh in diesem Transformationsprozess Akzente setzen zu können. Im Endausbau 2022 dürfte das AFI dann – grob geschätzt – vielleicht 150 bis 180 Stellen umfassen. Man muss bei diesen Umsetzungen zudem immer auch beachten, dass sie Auswirkungen bis hinab aufs Budget und die Planung der Direktionen haben.
 
Wie sieht es denn in Bezug auf die öffentliche Beschaffung aus?
August Danz: Ich kann nur für die Finanzdirektion antworten. Sie hat diesbezüglich schon lange vorbildlich gearbeitet und sehr viel auf Simap ausgeschrieben. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein.
 
Wollen sie alles selber machen oder kaufen sie auch Services zu?
August Danz: Das betrifft nicht nur die IKT-Grundversorgung sondern auch die Fachapplikationen, bei denen das "make or buy" bisher schon sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Grundsätzlich haben die Direktionen hier freie Hand, ob sie Leistungen zukaufen oder alles selbst machen. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass künftig Entscheidungen ab einer Million Franken im Gremium SDI diskutiert und vom Regierungsrat beschlossen werden müssen. Wobei auch das noch strukturiert werden muss. Vorgesehen ist zudem, dass alles, was weniger als eine Million Franken kostet, im operativen Gremium (OIS) diskutiert und allenfalls im Gremium SDI eskaliert werden kann.
 
Wie hoch ist denn das AFI-Budget?
August Danz: Der Aufwand des AFI für 2019 ist mit 47,6 Millionen. Franken budgetiert, bei Nettoinvestitionen von 16,6 Millionen Franken. Wo wir nach dem vollständigen Aufbau des AFI landen werden, ist schwierig vorher zu sagen. Die bei der externen Prüfung geschätzten 170 Millionen Franken sind höchstens ein grober Näherungswert. Hier werden wir aber auch Transparenz schaffen. Sicher ist nur, dass die Umsetzung etwas kosten wird. Ressourcen werden sicher ins schon genannte Controlling und ins SOC fliessen. Wir machen also kein Sparprogramm, auch wenn wir in einzelnen Bereichen sicher Effizienzgewinne erreichen können. (Interview: Volker Richert)