Cyber-Krieg: Amerikaner und Briten gehen in die Offensive

Nach drei Jahren haben die USA jetzt ihre Cyber-Strategie wieder aktualisiert. Der offensive Ansatz, den das Department of Defense (DoD) diesmal gewählt habe, sei aggressiver als der von 2015, heisst es in einem Bericht auf 'ZDNet'. Kontrovers sei insbesondere, dass es im neuen Rahmen darum gehe, "vorwärts zu verteidigen, um bösartige Cyber-Aktivitäten an ihrer Quelle zu stören oder zu stoppen". Ausserdem seien Aktivitäten vorgesehen, die sich auf dem Level eines "bewaffneten Konflikts" bewegen.
 
Der Nationale Sicherheitsberater John Bolton sagte, dass man die Beschränkungen der Vorgängerregierung unter Präsident Barack Obama lockern werde. Künftig werde man nicht mehr überwiegend defensiv auf Cyberattacken reagieren, sondern aggressiver auftreten und auch Vergeltungsschläge gegen Cyber-Angreifer starten.
 
Laut Verteidigungsministerium wolle man "sich mit Bedrohungen auseinanderzusetzen, bevor sie die US-Netzwerke erreichen". Das Pentagon wolle eine "tödliche" Streitmacht bei der Bekämpfung bösartiger Cyber-Akteure schaffen. 'ZDNet' spricht denn auch von einer mutigen, aber potentiell riskanten Strategie, da es oft schwierig sei, Angriffe zuzuordnen. Zumal wenn sie von Rechner kommen, die selbst kompromittiert wurden, um die wahre Identität und den Standort der Angreifer zu verschleiern. Ausserdem könne die Drohung, gegen Hacker vorzugehen, andere Staaten zu ähnlichen Aktionen veranlassen. Konkret als mögliche Angreifer genannt werden in der Strategie China, Russland, Nordkorea und Iran.
 
Die Briten ziehen mit
Interessant ist, dass gerade jetzt auch Berichte darüber kursieren, wonach die Briten in Sachen Cyber Sicherheit aufrüsten. Laut der 'Times' (Paywall) plant die Regierung eine neue Cybertruppe gegen feindliche Staaten sowie Terroristen und kriminelle Gruppen einzusetzen. Zudem wird von Tests berichtet, in denen bei britischen Militär- und Sicherheitsdiensten "ein neues Arsenal offensiver Cyberwaffen gegen den Islamischen Staat in Syrien und Irak" zum Einsatz kommen. Das Blatt schreibt, Grossbritanien sei Pionier bei der Nutzung neuer Cyber-Fähigkeiten zur Verbreitung von Malware. Die Operation beinhaltete auch das Verbreiten gefälschter Nachrichten, um Verwirrung unter den Anhängern des Islamischen Staates.
 
Die neue Einheit soll dem Verteidigungsministerium und dem Nachrichtendienst unterstehen und mindestens umgerechnet knapp 320 Millionen Franken kosten, wie die Zeitung nach eigenen Angaben aus Verteidigungs- und Sicherheitskreisen erfahren haben will. Rekrutiert werden sollen dafür rund 2000 Experten aus dem militärischen Bereich, den Sicherheitsdiensten und der Industrie. Das wäre fast eine Vervierfachung des Personals in diesem Bereich, schreibt die --http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/grossbritanniens-militaer-will-cyber-truppe-aufruesten-15799376.html --'FAZ'--.
 
Begründet wird die Schaffung der neuen britischen Cybertruppe mit einer wachsenden Bedrohung durch Russland. Zudem habe Grossbritannien in der Vergangenheit erfolgreiche Cyber-Angriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak geführt. Experten hätten zum Beispiel Schadsoftware eingesetzt, um den Terroristen Zugang zu Daten zu versperren. Ausserdem seien Falschnachrichten verbreitet worden, um die Extremisten zu verwirren. Auch Geldtransfers seien behindert worden. Die neue Truppe soll aber auch im Kampf gegen andere Kriminelle zum Einsatz kommen. (vri/sda)