V-Zug lagert Basis-IT zu T-Systems aus

Michael Fell
"Kein Sparprogramm". V-Zug hat grosse Innovationsprojekte in petto. T-Systems soll nicht nur Outsourcer, sondern auch Innovationspartner sein.
 
Vor ziemlich genau zwei Jahren stiess Michael Fell als Head of IT and Telecommunication zum Schweizer Vorzeige-Industriebetrieb V-Zug. Fell ist ein Outsourcing-Spezialist, denn er war auf beiden Seiten, bei Anwendern (Zurich, V-Zug) wie auch bei Service-Providern (EDS, T-Systems) tätig.
 
V-Zug steht vor oder mitten in grossen Innovationsprojekten. Die von V-Zug produzierten Haushaltsgeräte werden vernetzt und "intelligent", die Produktion wird auf Industrie 4.0 umgestellt und Logistik und Supply Chain werden neu designt. Man spricht über Blockchain und Predictive Maintenance. Im Juli hat V-Zug die ERP-Lösung von IFS durch S/4HANA ersetzt – ein Projekt voller Fallstricke.
 
Also will man auslagerbare Aufgaben los werden. "Wir haben Ende letzter Woche einen Full-Outsourcing-Vertrag mit T-Systems abgeschlossen", so Michael Fell in einem Telefongspräch zu inside-it.ch. T-Systems übernimmt die Systeme von V-Zug und ist künftig für den Basis-Betrieb verantwortlich. Die Applikationen werden von V-Zug weiterhin selbst betrieben. Auskunft über das Volumen des Deals gibt V-Zug nicht. Immerhin lässt sich Fell entlocken, dass der Vertrag über sechs Jahre läuft.
 
Kein Projekt für Kostensenkung
Der IT-Leiter der Industrie-Ikone betont: "Es ist kein IT-Outsourcing-Projekt aus Kostengründen. Wir brauchen freie Kapazität für die Digitalisierung." Hingegen möchte V-Zug vom Wissen von T-Systems in IoT-Projekten und im Industrieumfeld profitieren. Dies sei mit ein Kriterium bei der Auswahl des Providers gewesen, so Fell. Er nennt ein Beispiel der komplexen Projekte: Bei V-Zug gibt es Maschinen, die 20 oder 25 Jahre alt sind und deren Steuerung noch mit Windows 3.11 laufen. Diese Maschinen will und kann man nicht ersetzen, sondern will und muss sie modernisieren, wenn man von Industrie 4.0 spricht. Fell: "Wir suchen einen Lösungspartner der auch Innovation einbringt." T-Systems soll also einerseits die Basis-Infrastruktur von V-Zug betreiben und andererseits als Co-Creator helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
 
Das Outsourcing-Projekt soll mithelfen, die Zahl der eingesetzten Applikationen zu reduzieren. Fell: "Wir wollen unsere Applikationslandschaft konsolidieren, damit V-Zug wachsen kann". Um eine neue Cloud-Strategie geht es hingegen nicht. V-Zug setzt seit einiger Zeit Office 365 ein und betreibt Applikationen in der Azure-Cloud, so Fell.
 
"Es war ein Team-Entscheid"
Da sich V-Zug für den ehemaligen Arbeitgeber des Informatik-Verantwortlichen als Outsourcing-Dienstleister entschieden hat, liegt der Verdacht nahe, der Deal sei ein "Beziehungsdelikt". Fell: "Dass ich früher für T-Systems gearbeitet habe, war in der Evaluation tatsächlich ein Thema." Der Entscheid für T-Systems sei aber ein Team-Entscheid und alle Schritte dahin akribisch dokumentiert.
 
Der Entscheid zum Outsourcing ist übrigens schon 2016 gefallen, als Fell noch nicht IT-Leiter bei V-Zug war. Er hat das Evaluationsprojekt aber im April 2017 neu gestartet und mit Navisco einen anderen externen Sourcing-Berater an Bord geholt. (Christoph Hugenschmidt)