SBB sucht Nearshoring für SAP-Systeme

Die Ausschreibung sei kein Sparprogramm, so die SBB auf Anfrage. Man wolle Ressourcen "freispielen".
 
Für die "Erbringung von ABAP-Entwicklungsleistungen und SAP Anwendungsbetriebsleistungen über die gesamte SAP Landschaft der SBB", sucht die SBB einen Provider. Das ist einer Ausschreibung auf Simap zu entnehmen. Gesucht werden für das Solution Center Finanzen, HR, Supply Chain Management und die Immobilien-Abteilung (IT-SCF) Provider, die Leistungen im SAP-Anwendungsbetrieb und ABAP-Entwicklungsleistungen aus Nearshoring-Centern liefern können, sagt SBB-Pressesprecher Oliver Dischoe auf Anfrage.
 
Er hält ausdrücklich fest, dass diese Ausschreibung und das Nearshoring nicht im Zusammenhang mit dem "RailFit 20/30" genannten Sparprogramm stehen. Bei dessen Start 2016 war bestätigt worden, dass auch IT-Stellen gestrichen werden. Doch durch die jetzt geplante Leistungsauslagerung, so Dischoe, "werden die IT-SCF-internen Prozesse zum Teil angepasst. Dies führt aber zu keinem Stellenabbau."
 
Vielmehr sei das primäre Ziel der Ausschreibung, "die Skalierbarkeit der IT-Leistungserbringung zu erhöhen. Dadurch können interne Ressourcen freigespielt und den eigentlichen Kernaufgaben zugeteilt werden. Für IT-SCF ist dies beispielsweise die Transformation auf SAP S4/HANA."
 
Er verweist darauf, dass im Rahmen der SBB Strategie 2020 die Informatik als Service-Center positioniert worden sei. "Sie ist damit aufgefordert, kontinuierlich ihre Fertigungstiefe zu hinterfragen und mögliche Kostenoptimierungen in der Serviceerbringung zu realisieren", so Dischoe weiter. Zudem sei man auch vom Bund, dem Eigner, dazu angehalten, auch bei der Beschaffung von IT-Leistungen das wirtschaftlich günstigste Angebot zu bevorzugen: "Dabei sollen explizit auch Angebote von internationalen Anbietern geprüft werden".
 
Derzeit betreibe die SBB den SAP-Betrieb bei T-Systems Schweiz im Infrastructure-as-a-Service-Modell. Dabei werden die Systeme bis auf Ebene Betriebssysteme durch T-Systems im Nearshoring betreut, fügt Dischoe an. Den klassischen SAP-Betrieb erbringe die SBB-Informatik In-House. Auch die SAP-Entwicklungsleistungen würden mehrheitlich in Worblaufen, dem Hauptstandort der SBB-Informatik erbracht, ebenso die ABAP-Entwicklungsleistungen.
 
Ausserdem, führt Dischoe aus, sei die Ausschreibung mit Unterstützung der Beratungsfirma ISG vorbereitet worden. Sie war bei einer Ausschreibung vor rund einem Jahr zum Zuge gekommen. Damals waren von der SBB IT-Shoring-Beratungsleistungen mit fundiertem Knowhow im Near- und Offshoring gesucht worden.
 
Schliesslich führt der SBB-Sprecher generell zur Outsourcing-Strategie der SBB aus: "Weil mit der Digitalisierung auch ein Mehrbedarf an IT-Leistungen bei gleichzeitig wachsendem IT-Fachkräftemangel in der Schweiz einhergeht, heisst optimieren je länger je mehr auch skalieren: Als Service Center ist die SBB IT verpflichtet, ihre Fertigungstiefe zu hinterfragen und zu analysieren, welche Teile des Leistungsangebots sie selber erbringt und wo, beziehungsweise wie sie auf die Zusammenarbeit mit Partnern setzt." (vri)