Viele Zürcher Mitarbeiter protestieren gegen Arbeitskultur bei Google

Die Zürcher Proteste (Screenshot: Twitter @tedonprivacy)
Laut Fotos auf Twitter und Medienberichten haben Tausende von Google-Mitarbeitern auf der ganzen Welt mit einem "Google Walkout For Real Change" gegen ihren Arbeitgeber protestiert. Sie beschuldigen den Konzern, dass dieser Führungskräfte sehr milde behandle, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden.
 
Die Demonstrationen vor den Google-Büros begannen am späteren Vormittag. Auch in Zürich gingen laut Twitter-Fotos etwa 200 bis 300 Angestellte auf die Strasse. Von den Fotos her zu urteilen, scheinen es mehr Protestierende als andernorts zu sein, aber nur eine Minderheit der circa 2500 Zürcher Angestellten.
 
Auf den aktuellen Tweets sieht man ausschliesslich Frauen, welche auch mit dem Megafon in Händen protestieren. Laut einem Zürcher Tweet würden "Storys über Belästigung, Mikro-Aggressionen, ineffiziente Prozesse, kaputte Kultur usw." ausgetauscht.
 
Der "Walkout for Real Change"-Protest kommt eine Woche, nachdem sich herausstellte, dass Google Andy Rubin, dem Schöpfer von Android, ein Abfindungspaket in Höhe von 90 Millionen US-Dollar überwies, jedoch Details einer Anschuldigung wegen sexuellen Fehlverhaltens verschwieg. Diese Meldung scheint der Katalysator der Proteste zu sein.
 
Rubin selbst hat die Vorwürfe bestritten.
 
Am vergangenen Donnerstag sagte Google-Chef Sundar Pichai, der Tech-Gigant verfolge eine "harte Linie" bei Vorwürfen wegen sexuellem Fehlverhalten. Er gab erstmals bekannt, dass 48 Mitarbeiter, darunter 13 leitende Angestellte, in den letzten zwei Jahren deswegen entlassen worden seien. Diese Fälle wurden jedoch nicht in den jüngsten Gewinnzahlen des Unternehmens erwähnt.
 
Google zählt laut eigenen Angaben im globalen Durchschnitt (PDF) 30,9 Prozent weibliche Angestellte. Das sind überdurchschnittlich viele; in der Schweiz hat es in der ICT-Branche laut Dachverband ICTswitzerland einen Frauenanteil von 14,6 Prozent. Damit liege die Schweiz im Vergleich zu den EU-Ländern "im unteren Drittel". Umso peinlicher sind die gut besuchten Proteste auch für das Schweizer Vorzeige-Unternehmen Google.
 
Google wurde vor einigen Monaten auch der Lohndiskriminierung bei Frauen beschuldigt, hat dies aber bestritten und auch die Berechnungsmethode offengelegt. (mag)