Berners-Lees nächster Streich zur Rettung des Webs

Der Erfinder des WWW will vertraglich Freiheit, Offenheit und Privatsphäre im Web zurückbringen. Erste Konzerne finden das prinzipiell gut.
 
Tim Berners-Lee, Begründer des World Wide Web, macht sich bekanntlich Sorgen um sein Baby. Erst kürzlich hat er Pläne für ein dezentrales Web vorgestellt. Nun hat er eine Initiative für einen "Vertrag für das Web" lanciert, um die Freiheit und Offenheit des WWWs zu verteidigen. Berners-Lee sieht diese durch den Missbrauch persönlicher Daten, Hate Speech, politische Manipulation und die Zentralisierung der Macht bei einer kleinen Gruppe von Tech-Giganten bedroht.
 
Der Vertrag richtet sich an eben jene Tech-Konzerne, aber auch an Regierungen und an kleinere Unternehmen sowie an die Bürger. Berners-Lee nannte Netzneutralität und Kontrolle der eigenen persönlichen Daten als Grundprinzipien, die in den Händen von Staaten und Unternehmen lägen. Aber er äusserte auch seinen Wunsch nach untadeligen Diskussionen und der Menschenwürde, deren Sicherstellung er bei den Usern des Webs selbst verortet. Zudem will der MIT-Professor, dass der Zugang für alle zum gesamten WWW sichergestellt wird.
 
Unterzeichnet wurden die Absicht und die Prinzipien bereits von rund 50 Organisationen. Darunter finden sich die französische Regierung, Google, Facebook und Cloudflare. Allerdings steht das Projekt noch am Anfang. Der Vertrag umfasst erst Grundprinzipien und soll noch in seinen Details ausgearbeitet werden. Dazu rufen Berners-Lee und die Webfoundation nun zur Mitarbeit am Projekt "We need a better Web" auf.
 
Der Vertrag soll bereits im Mai 2019 stehen. Zu jenem Zeitpunkt wird laut Prognosen erstmals mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Zugang zum WWW haben. Wie die Prinzipien des Vertrags allerdings durchgesetzt werden können, ist angesichts der Architektur des Internets noch offen. (ts)