SAP will mit teurer Übernahme Salesforce bedrängen

Der Zukauf von Qualtrics, Spezialist für Experience Management (XM), soll die Walldorfer CRM-Suite stärken und das Cloud-Wachstum antreiben.
 
SAP ist weiter auf grosser Einkaufstour: Für das US-Unternehmen Qualtrics legt Europas grösster Softwarehersteller acht Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) auf den Tisch. Dies teilte SAP mit.
 
Qualtrics, Spezialist für Experience Management (XM), macht im laufenden Jahr voraussichtlich einen Umsatz von rund 400 Millionen Dollar. Die zugekaufte Firma erwartet zukünftig Wachstumsraten von über 40 Prozent. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Utah wollte eigentlich bald selbst an die Börse gehen.
 
Mit der in Euro gerechnet teuersten Übernahme in der Geschichte von SAP will sich das Unternehmen weiter stärken, um den schnell wachsenden US-Konkurrenten Salesforce in Schach zu halten und diesen in seinem Stammgeschäft weiter anzugreifen. Salesforce hatte sich erst vor Kurzem den Middleware-Hersteller Mulesoft für rund 6,5 Milliarden Dollar gesichert.
 
McDermott: "Dies ist ein mutiger Schritt"
SAP selbst hatte Anfang des Jahres den Salesforce-Konkurrenten Callidus für 2,4 Milliarden Dollar gekauft. Vorstandschef Bill McDermott hatte eigentlich angekündigt, vorerst nur kleinere Ergänzungskäufe anzupeilen. Jetzt hat der seit 2014 allein amtierende Unternehmenschef aber doch erneut grösser zugeschlagen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten sprach der Amerikaner von einem weiteren "mutigen Schritt" für den wertvollsten Dax-Konzern.
 
Qualtrics zähle zu den weltweiten Pionieren im Bereich Experience Management, hiess es. Seine Lösung erhebt und wertet Kunden-, Mitarbeiter-, Marken- und Produktfeedback aus. "Wenn wir nun unsere Betriebsdaten mit den Erlebnisdaten von Qualtrics kombinieren, schaffen wir umgehend eine neue XM-Kategorie mit einer End-to-End-Lösung mit globaler Reichweite", lässt sich McDermott in einer Mitteilung zitieren.
 
Mit acht Milliarden Dollar ist Qualtrics in Dollar gemessen nur etwas billiger als der 2014 gekaufte Hersteller von Reisekostensoftware Concur. Dieser hatte 8,3 Milliarden Dollar inklusive Schulden gekostet. Da der Euro damals aber mehr wert war, lag der umgerechnete Kaufpreis unter den jetzigen sieben Milliarden Euro. Diesen will SAP in bar zahlen. Die Finanzierung sei gesichert. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen sein.
 
Salesforce soll in der Cloud übertrumpft werden
Mit der Übernahme will SAP vor allem das Geschäft mit Unternehmenssoftware in der Cloud stärken. Hier ist derzeit der Rivale Salesforce Branchenprimus. SAP ist der grösste Anbieter von Unternehmenssoftware insgesamt, will den Kaliforniern aber auch in der Cloud zusetzen.
 
Salesforce wächst hier aber – unter anderem getrieben von Übernahmen – weiter rasant, so dass das 1999 von Konzernchef Marc Benioff gegründete Unternehmen SAP auch künftig beim Gesamtumsatz angreifen könnte. McDermott hat in den vergangenen Jahren zunehmend auf das stark wachsende Cloudgeschäft gesetzt und die Erfolge im Bereich CRM betont.
 
Allerdings musst sich SAP erst im August Kritik an der hauseigenen CRM-Suite C/4Hana anhören: Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe DASG erklärte, dass erst Teile der Produktfamilie mit überschaubarem Aufwand implementierbar seien. Für die Integration der SaaS-Lösung SAP Cloud for Customer mit Hybris Commerce brauche es hingegen "weitere technische Anstrengungen".
 
Noch gibt's eine klare Hierarchie, aber Salesforce wächst schneller
Noch sind die Grössenverhältnisse zwischen den beiden Konzernen eindeutig: Im CRM-Segment hat SAP bislang nur einen Marktanteil von 6,5 Prozent gegenüber Salesforce mit 19,6 Prozent.
 
SAP machte vergangenes Jahr mit Software on- und offline 19,5 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,8 Milliarden in der Cloudsparte. McDermott hatte aber im August erklärt, dass SAP dieses Jahr erstmals mehr Umsatz mit der Cloud als mit On-Premise-Software-Lizenzen machen werde.
 
Salesforce brachte im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Januar) rund 10,5 Milliarden Dollar Umsatz auf die Waage (neun Mrd. Euro), davon 9,7 Milliarden Dollar mit Software über die Cloud. Salesforce wächst wegen des grösseren Anteils von Cloudsoftware insgesamt weiter schneller als die Walldorfer.
 
Salesforce-Chef Benioff hat sich zum Ziel gesetzt, 2022 die Hürde von 20 Milliarden Dollar Umsatz (17,6 Mrd Euro) zu knacken. SAP hat für das Jahr 2020 derzeit einen Umsatz von bis zu 29 Milliarden Euro im Plan. (ts/sda)