SBB-IT-Panne: Darum fielen Züge und Fahrplan-Infos aus

Wie kann ein einziges IT-Problem Fahrleitungen und das Passagier-Informationssystem gleichzeitig betreffen? Was war der Auslöser? Was nun? Die SBB beantwortet Fragen.
 
Eine IT-Panne hat heute Morgen an mehreren Orten im Bahnverkehr für Probleme gesorgt. Betroffen seien sowohl die Fahrleitungen als auch das gesamte Informationssystem für die Passagiere gewesen, also die Mobile App wie der Online-Fahrplan. Regional ist es laut SBB in der Folge zu Zugsausfällen im S-Bahn-Netz gekommen. Kurz vor sieben Uhr vormittags hat sich die Lage laut einem SBB-Sprecher der Bahnverkehr "wieder beruhigt". Das heisst, die IT-Störung hat zwei Stunden gedauert.
 
Auf Anfrage präzisiert SBB-Sprecher Christian Ginsig, was geschah. Bei einem Netzwerk-Authentifizierungssystem gab es in der Nacht Anmeldeprobleme diverser Umsysteme. "Das Problem ist zwischenzeitlich gelöst", so der Sprecher.
 
Auslöser, so Ginsig, war ein manuell eingespieltes Software-Update in das Netzwerk-Authentifizierungssystem. "Am Nachmittag wurde erfolgreich ein korrektes Backup eingespielt."
 
Welche Systeme waren konkret betroffen? "Kunden am Bahnhof waren insbesondere durch den Ausfall der Kundeninformationssysteme in der ganzen Schweiz temporär betroffen. Zudem konnten in den frühen Morgenstunden nach Abschluss der Bauarbeiten in Zürich Tiefenbrunnen und in Genf La Praille die Fahrleitungen nicht mehr ferngesteuert per Mausklick eingeschaltet werden. Die Fahrleitungen in Tiefenbrunnen und Genf La Praille mussten vor Ort bedient werden. Dies hatte lokal indirekt Einfluss auf den Bahnverkehr." Um 6.15 Uhr sei diese vor Ort wieder eingeschaltet worden.
 
Da die Probleme bei der Authentisierung lagen, seien unterschiedliche Systeme betroffen gewesen. Auf unsere Frage, ob und wie die Systeme technologisch zusammenhängen, antwortet Ginsig: "Ein direkter Zusammenhang besteht nicht."
Er präzisiert: "Die Fahrleitungen an den beiden Standorten Tiefenbrunnen und Genf La Praille konnten am Vorabend noch korrekt per Mausklick zentral abgeschaltet werden. Ab vier Uhr führte ein Fehler im Netzwerk-Authentifizierungssystem dazu, dass die Einschaltung der Fahrleitung ferngesteuert nicht mehr möglich war."
 
Er bekräftigt, dass keine latenten Probleme in der IT-Architektur bestehen, auch wenn unterschiedliche Systeme betroffen sind. "Ein manueller Eingriff war ursächlich."
 
Konnten Sie keine redundanten Systeme hochfahren und weshalb nicht? "Der Fehler wurde rasch erkannt und das Problem bereits in den frühen Morgenstunden gelöst. Im Verlauf des heutigen Nachmittags erfolgte die Einspielung eines sicheren und korrekten Backups", so Ginsig.
 
Zwei Stunden scheinen uns sehr lang für einen Unterbruch auf dieser Ebene: Wie verlief das Disaster-Recovery? Wie stellt sich die SBB dazu? "Die Fehleranalyse läuft. Aussagen dazu sind deshalb noch nicht möglich", so Ginsig.
 
Es sei also auch noch nicht möglich, sich zu allfälligen Konsequenzen zu äussern. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Kunden sehr und entschuldigen uns dafür." (Marcel Gamma)