Deutschland will mit viel Geld auf die Pole-Position in KI

Gestern und heute scharte Kanzlerin Angela Merkel ihre gesamte Regierungsmannschaft zu einer sogenannten Digitalklausur um sich. Das Treffen ging am Hasso Plattner Institut in Potsdam über die Bühne, laut 'Süddeutscher Zeitung' Deutschlands "wichtigstem Institut für Digitalisierung".
 
Laut Mitteilung der Bundesregierung stand auf der Agenda die Gestaltung des digitalen Wandels. Man habe ein Massnahmenpaket entwickelt und in einer Umsetzungsstrategie zusammengefasst. Sie bestehe aus fünf Handlungsfeldern: Digitale Kompetenz, Infrastruktur und Ausstattung, Innovation und digitale Transformation, Gesellschaft im digitalen Wandel und Moderner Staat.
 
Es handle sich um "Herausforderungen", für die die Politik konkrete Lösungen mit Umsetzungsplänen verspricht. Dabei wird die Strategie nicht als statischer Monolith verstanden, vielmehr werde sie "kontinuierlich weiterentwickelt und das Erreichen der Ziele gemessen und überprüft", so die Regierung.
 
Besondere Aufmerksamkeit genoss die in einem auf 80 Seiten ausgearbeiteten Papier (PDF) "Strategie Künstliche Intelligenz", von der bisher nur Eckpunkte (PDF) bekannt waren.
 
In die Erreichung der nun definierten Ziele will Deutschland bis 2025 etwa drei Milliarden Euro investieren, vor allem in die Forschung. Unter anderem sollen 100 neuen Professuren für KI eingerichtet werden. Ausserdem geht die Regierung des grossen Nachbarn davon aus, dass noch einmal die gleiche Summe von privaten Investoren für die Umsetzung der KI-Strategie fliesst.
 
"Gute Rahmenbedingungen für ethischen KI-Einsatz"
Definiert worden sind 14 Ziele, die Deutschland zur führenden KI-Nation machen sollen: "Artificial Intelligence (AI) made in Germany soll zum weltweit anerkannten Gütesiegel werden", heisst es ganz unbescheiden.
 
Konkret erreicht werden soll die Pole Position mit mehr Tempo beim "Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft". Weiter sollen die nötigen Dateninfrastrukturen geschaffen und die "Verfügbarkeit von Fachkräften und Expertinnen und Experten" erhöht werden. Drittens solle der Strukturwandel in Verwaltung, Unternehmen und am Arbeitsmarkt aktiv gestaltet werden.
 
Wichtig ist laut Bundesregierung zudem, dass "gute Rahmenbedingungen für die ethische" KI-Anwendung entstehen, die europäische und internationale Zusammenarbeit zu KI-Themen erweitert und "gesellschaftliche Dialoge zu den Chancen und Auswirkungen von KI" geführt werden.
 
Interessant ist bei all diesen Vorhaben, die von der deutschen Regierung anhand von fünf Kriterien vorgenommene KI-Definition: Demnach orientiert sich die Strategie "an der Nutzung der KI für die Lösung von Anwendungsproblemen". Konkret genannt werden "Deduktionssysteme", was als "maschinelles Beweisen durch die Ableitung formaler Aussagen aus logischen Ausdrücken" verstanden wird und "Systeme zum Beweis der Korrektheit von Hardware und Software" umfasst.
 
KI inklusive Psychologie und Handbewegungs-Analyse
Ausserdem adressiere eine so verstandene KI wissensbasierte Systeme, die Methoden zur Modellierung und Erhebung von Wissen umfassen. Genauso mitgemeint ist auch Software zur Simulation menschlichen Expertenwissens und die Unterstützung von Experten. Diese wissensbasierten Systeme sollen auch Psychologie und Kognitionswissenschaften involvieren.
 
Weiter werden die Musteranalyse und Mustererkennung genannt, was induktive Analyseverfahren allgemein und maschinelles Lernen im Besonderen umfasse.
 
Zudem werden KI-Anwendungen im Bereich Robotik genannt, womit das Steuern autonomer Systeme adressiert werde. Schliesslich umfasst das in der Strategie beschriebene KI-Verständnis der deutschen Regierung auch die "intelligente multimodale Mensch-Maschine-Interaktion". Damit gemeint ist die "Analyse und das "Verstehen" von Sprache (in Verbindung mit der Sprachwissenschaft), Bildern, Gestik und anderen Formen menschlicher Interaktion". (vri)