SBB testet die Gleisarbeiter-Blockchain

Ein Screenshot der App.
Ein interessantes Beispiel dafür, was ein Unternehmen mit Blockchain-Technologie anfangen könnte.
 
Gleisarbeiter zu managen, das ist eine ziemlich komplexe und extrem sicherheitsrelevante Aufgabe für die SBB. In der ganzen Schweiz arbeiten rund 30'000 Menschen auf Hunderten von kleineren und grösseren Baustellen. Sie kommen von der SBB selbst und von unterschiedlichen Baufirmen. Für alle muss sichergestellt werden, dass sie medizinisch fit sind und die nötigen Ausbildungen besitzen, um bestimmte Tätigkeiten verrichten zu dürfen. Und für jede Baustelle muss festgehalten werden, wer wann dort war und ob er oder sie die richtigen Zertifikate besitzt. Und diese Zertifikate werden wiederum von verschiedenen Stellen ausgegeben.
 
Die SBB hat sich das Gleisarbeiter-Management ausgesucht, um ein erstes Blockchain-Pilotprojekt durchzuführen und hat sich dafür Hilfe vom Schweizer Blockchain-Spezialisten Linum Labs geholt.
 
Um eines gleich voraus zu schicken: Das Pilotprojekt war als "Proof of Concept" angelegt. Wie uns ein SBB-Sprecher auf Anfrage erklärte, sei es aber noch völlig offen, ob die Idee weiterverfolgt wird. Man müsse zuerst noch abklären, wie gross das Verbesserungspotential sei. Ausserdem betonte er, dass man die Zertifizierungskontrolle via Blockchain im Pilotversuch als "Schattenzertifizierung", parallel zur regulären klassischen Zertifizierungsdokumentation auf Papier durchgeführt habe.
 
Pilotprojekt mit Blochchain-Identität
Linum Labs hat das Projekt in einem Beitrag auf Medium.com ausführlich beschrieben. Eine auf einer Blockchain-Identität basierte Lösung, so sagt Linum Labs, sei gut geeignet, um die beschriebene Aufgabe anzugehen. Damit könne erreicht werden, dass die verschiedenen Parteien zusammenarbeiten können, ohne dass ein Unternehmen die Daten besitzen oder verwalten müsse. Gleichzeitig könnten Arbeiter die Informationen über sich einfach von einem zum anderen Unternehmen mitnehmen. Und alle notwendigen Informationen könnten vor Manipulationen geschützt und datenschutzkonform gespeichert werden.
 
Linum Labs ist zudem stolz, dass die Lösung für das Pilotprojekt in nur fünf Wochen von einem kleinen Team konzipiert und umgesetzt werden konnte.
 
Die Lösung
Das Pilotprojekt hatte das konkrete Ziel, die Identität von Arbeitern nachzuweisen und ihre Zertifizierungen zu verifizieren. Ausserdem sollte ein gutes mobiles Interface den Arbeitern den Gebrauch erleichtern. Weitere Eckanforderungen waren eine Open-Source-basierte Lösung, Interoperabilität mit Partnern der SBB und eine datenschutzkonforme Speicherung der Daten.
 
Die konkrete, von Linum Labs präsentierte Lösung basiert auf der kostenlosen Identitäts-App uPort. Die Daten wurden auf dem Ethereum-Testnetzwerk Rinkeby gespeichert.
 
Für einen User gestaltet sich der Gebrauch folgendermassen, wie Linum Labs schildert: Zuerst lädt er die uPort-App für iOS oder Android herunter. Dann registriert er seine uPort-ID auf der Ethereum-Blockchain. Danach muss er noch seine Identität bestätigen lassen. Dafür wurde für das Pilotprojekt eine fiktive Blockchain-ID der Stadt Bern erstellt. Danach können Drittunternehmen dem User in ähnlicher Weise seine Trainings bestätigen.
 
Auf der Baustelle checkt der Arbeiter ein, indem er einen QR-Code scannt. Ein Vorgesetzter kann nun seine Zertifizierungen prüfen. Wenn die Arbeit beendet ist, checkt der User auf dieselbe Weise aus und seine Anwesenheitszeiten werden automatisch festgehalten. Diese werden als Registereinträge in der Blockchain gespeichert, aber nicht im Klartext, sondern nur als Hash, so dass keine personenbezogenen Daten in der Blockchain ersichtlich werden.
 
Laut Linum Labs war Erstellung von Identitäten und Zertifikaten und ihre Registrierung in der Blockchain in dieser Lösung konstenlos. Jeder Registereintrag kostete Ethereum Gas im Wert von 0,006 Dollar. (Hans Jörg Maron)